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Kurt Maas

Kurt Maas – Gründer des Notenversands

Musiker, Pädagoge, Unternehmer

Über 40 Jahre lang hat Kurt Maas den Notenversand geleitet und geprägt. In dieser Zeit wurde aus dem Vertrieb für einen einzelnen Verlag ein Unternehmen, das in Zusammenarbeit mit seinen internationalen Partnern ein Sortiment von annähernd 700.000 lieferbaren Titeln anbieten kann.
Die tragende Rolle, die Kurt Maas bei dieser immensen Entwicklung zukommt, ist Grund genug für uns, an diesen außergewöhnlichen Menschen, sein bewegtes Leben und seine Verdienste zu erinnern.

Frühe Jahre

Kurt Maas wird 1942 in Neusattl (heute Nové Sedlo) im Egerland geboren, mitten hinein in Kriegswirren und Vertreibung. 1945 wird die Familie ebenso wie die anderen Deutschböhmen ausgewiesen und sucht ihre neue Heimat in Franken. Dort zeigt sich bald die musikalische Ader des jungen Kurt, der als Neunjähriger seine Eltern drängt, ihm ein Akkordeon zu kaufen.

Kein einfacher Wunsch in der Mangelzeit der frühen Nachkriegsjahre, dennoch bekommt Kurt das Instrument und mit 14 Jahren ist er bereits gut genug, um in Cafés und Restaurants eigenes Geld zu verdienen.

Als es jedoch um eine passende Berufsausbildung geht, setzen Maas’ Eltern zunächst durch, dass der Junge einen soliden Beruf erlernt. Er fügt sich und macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, zieht danach jedoch umgehend weiter ans Hohner Konservatorium nach Trossingen, um dort Musik zu studieren. Sein eigentlicher Plan, so bald wie möglich nach Amerika zu gehen, um direkt an der Quelle das Wesen des Jazz zu erforschen, ist da schon gefasst und nach dem dreijährigen Studium geht er diesen direkt an: Maas gründet ein Trio und heuert bei der Home Lines Reederei an, wo er im Linienverkehr zwischen Europa und den USA die Passagiere unterhält.

Ende 1963, nach etwa eineinhalb Jahren auf See, bekommt er eine Freifahrt auf der SS Homeric und gelangt so schließlich ans Ziel seiner Wünsche, die Berklee School of Music in Boston, wo er sich für Komposition und Arrangement einschreibt.

Berklee und der Notenversand

Kurt Maas im Portrait

Der Kontakt zu den Dozenten, aber auch die Nähe zu amerikanischen Jazzgrößen, deren Konzerte er besucht, prägen Kurt Maas nachhaltig. So entsteht in ihm der Wunsch, Jazzausbildung nach amerikanischem Vorbild auch in Deutschland zugänglich zu machen. Denn trotz großen Interesses seitens deutscher Musiker findet eine universitäre Jazzbildung dort praktisch noch nicht statt. Dies will Kurt Maas ändern: Wieder zurück in Deutschland, verfolgt er den Plan, den „Berklee Correspondence Course“, einen Jazz-Fernkurs auf Briefbasis, in Deutschland zu etablieren, woran er jedoch aus rechtlichen Gründen scheitert.

Im Gegenzug bietet sich ihm allerdings eine unternehmerische Chance, die zur Keimzelle des Notenversands Kurt Maas werden soll. Lawrence Berk, Gründer des Berklee Colleges, trägt Kurt Maas den europaweiten Vertrieb der schuleigenen Buch- und Notenveröffentlichungen an. Maas gründet daraufhin einen Versandhandel, der schnell zum europäischen „Nadelöhr“ für Noten aus Amerika wird und ihm Bekanntheit und Ansehen in Jazzmusikerkreisen sichert.

Jazz am Konservatorium

Abseits des Unternehmertums treibt der unermüdliche Kurt Maas aber auch seine pädagogischen Vorhaben voran. 1972 bietet ihm das Münchner Richard-Strauss-Konservatorium (RSK) einen Lehrauftrag für Jazzkurse an. Als Zusatzangebot für Studenten klassischer Musik unterrichtet er Jazzharmonik, Jazzarrangement und Jazzrhythmik und mit der Gründung der RSK-Bigband kann er interessierten Studenten zusätzlich auch ein praktisches Angebot bieten. Er selbst bleibt als Jazzer innerhalb des Konservatoriums zunächst aber ein Einzelkämpfer.

Erst als 1987 die Leitung des RSK von Martin Maria Krüger übernommen wird, hat Kurt Maas freie Bahn für sein eigentliches Ziel, eine eigenständige Jazzabteilung aufzubauen. Nach vier Jahren Aufbauarbeit, in denen sich Kurt Maas Mitstreiter wie Leonid Chizhik, Peter O’Mara, Leszek Zadlo, Hermann Breuer, Thomas Zoller und Claus Reichstaller an die Seite holt, können sich 1991 die ersten Studierenden für einen Jazzstudiengang am RSK einschreiben.

Nach jahrelangem, oft nervenaufreibendem Betreiben mit frustrierenden Rückschlägen, hat es Kurt Maas geschafft, Jazz als vollwertigen Studiengang im deutschen Hochschulbereich zu etablieren. Weitere 17 Jahre steht er der Jazzabteilung als Leiter vor, bevor er sich 2008 in den Ruhestand verabschiedet.

Kurt Maas Jazz Award

Kurt Maas Jazz Award

Kurts Maas’ Spuren führen in viele Ecken und Winkel des verzweigten Gebäudes „Jazz in Bayern“. Etliche der Musiker, die heute auf Club- und Konzertbühnen in kleinen Besetzungen oder Big Bands spielen oder selbst Schüler unterrichten, haben seine Kurse besucht. Um dieses Verdienst zu würdigen hat die Hochschule für Musik und Theater München, in der das RSK 2008 aufgegangen ist, den Kurt Maas Jazz Award ins Leben gerufen. Ein Preis mit dem die Leistung herausragender Studenten honoriert werden soll.

Und passender könnte der 1. Preis nicht gewählt sein: Der Gewinner bekommt ein Stipendium für einen mehrwöchigen Aufenthalt am Berklee College of Music, dem Jazzinstitut, das Kurt Maas so viel bedeutete und seinen Weg als Pädagoge und Unternehmer begründete.

"Misty" – gespielt von Kurt Maas