Wehner
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Robin Hoffmann
Wehner

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Beschreibung:

  • Begleitung: Orgel
  • ISMN: 9790014135393
Die übergeordnete Frage, die mich in dieser Komposition beschäftigt, ist die Frage nach dem Verhältnis von musikalischen und historischen Zeitmessungen. Wie groß ist heute der Abstand zum Klang der Bundestagsglocke, mit der Herbert Wehner zur Ordnung gerufen wurde? Die Heftigkeit der parlamentarischen Debatten damals gehören zu meinen akustischen Kindheitserinnerungen und während ich ihren Hintergrund rekonstruiere, entfernt sich die Gegenwart immer weiter von dieser einzig-eigenartig westdeutschen Klanglandschaft, in der im Fall von Wehners Rededuktus mir auch noch die hochgradig angespannten Sprachmelodien der späten Weimarer Zeit nachzuhallen scheinen. (. . . von den Katastrophenklängen der Zeit dazwischen mal ganz abgesehen…) Wehner war für mich eine notwendige Unterstützung, um einen Kirchenraum bespielen zu können, in dem ich die Besetzung dieses Stückes unausweichlich verortet sehe. In sakraler Umgebung wird ihm, dem Sozialdemokraten und einstigen Kommunisten, ein Gedenken bereitet. Das Duo artikuliert nach einleitenden Worten des Politikers (Wehner im Bundestag am 21. Juni 1977) eine Leerstelle unter der Zuhilfenahme von harten Schlägen auf Holz, durchmisst sie in relativen Zeiteinheiten, wie sie die mittelalterliche Mensuralnotation auszudrücken vermag, in perfekten und imperfekten Verhältnissen, die abschnittsweise variieren, bis die Flöte in kleinere Notenwerte vordringt. Auf dem Weg vom modus maximarum perfectus hin zu o enen Triolen-Achteln geht die Beschleunigung einher mit einer Verschiebung des musikalischen Blickwinkels. Die Leerstelle steht anstelle der Rede Helmut Kohls am 16. Februar 1978 bei der Debatte zur Änderung der Strafprozessordnung zur Terrorismusbekämpfung. Die Antwort Wehners ist berühmt und erscheint im zweiten Teil des Stückes lediglich in kurzen Fragmenten, die den dramaturgischen Verlauf seines Beitrags markieren. Die Zuspielung bestimmt, im Kontrast zum ersten Abschnitt, nun metrisch getaktet die Synchronisation der Musiker. Der durch die Orgel vorbereitete Ausbruch Wehners bei der Etatberatung am 11. Mai 1976 kennzeichnet die Unversöhnlichkeit der Positionen, die von ihm mit höchster Bitterkeit benannt wird. Der Konflikt zeigt sich nicht weniger in der Bemerkung auf der Bundestagssitzung am 13. März 1975, die die Komposition abschließt.