Fabian Künzli
Black Iris
Fabian Künzli
Black Iris
- Besetzung Blasorchester
- Komponist Fabian Künzli
-
Schwierigkeit
- Ausgabe Partitur und Stimmen
- Verlag Musikverlag Frank
- Bestell-Nr. FRNK45355
Beschreibung:
Die Komposition "Black Iris" ist eine Fantasie und erzählt keine Geschichte. In diesem Sinne wollte ich ursprünglich auch keine ausser- oder innermusikalischen Gedanken zur Komposition festhalten. Den Hörerinnen und Hörern sollte die Freiheit gewährt sein, ihre eigenen Gefühle, Bilder, Gedanken und Reflexionen, die durch die Musik geweckt und beflügelt werden, zu erleben. Diese interpretatorische Offenheit bleibt bestehen, obschon ich nun einige Gedanken zur Komposition teilen will. Steampunk ist ein retrofuturistisches Konzept. Es geht um die Vorstellung einer möglichen Zukunft aus der Perspektive früherer Zeiten. Mit hörbaren Elementen von Maschinerie und Uhrwerken erzeugt die Musik durchaus eine bildhafte Darstellung dieses ästhetischen Konzeptes. Zu einer Atmosphäre des Wohlstands, die von scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten geprägt ist, treten Klänge von mechanischem Ticken, Pulsieren, Rasseln in Kontrast – Geräusche, die auf die Folgen einer ungebremsten Entwicklung hinweisen und die Vorstellung von Raum und Zeit verzerren. Ein fantasiereicher Blick in die Zukunft erfordert meist auch eine Rückbesinnung betreffend Technologie und Wohlstand. Und damit reflektiert meine Komposition nicht bloss utopische und fantastische Gedanken, sondern auch ein aktuelles Thema, das uns alle betrifft: Wie stellen wir uns der Herausforderung, Wohlstand zu erhalten und gleichzeitig Klimaneutralität zu erreichen? Ist es möglich, diesen scheinbaren Widerspruch zu überwinden? Welche Wege schlagen wir in Zukunft ein?
In der Kunst versuchen wir gerne das Unsagbare auszudrücken. Diese Komposition greift selbstverständlich auf sprachliche und künstlerische Mittel zurück, die einer vergangenen Zeit entsprungen sind und schlägt damit eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Ein zentraler musiktheoretischer Aspekt der Komposition ist der Einsatz der großen None. als ersten Klang im Stück hören wir dieses Intervall, das durch die ganze Komposition eine wesentliche Rolle spielt und womit das Stück auch seinen Schluss findet. Die grosse None kann gewissermassen als geweitete Oktave gehört werden. Wenn die zwei Töne des Intervalls weit auseinander erklingen, ist der Zweiklang kaum noch dissonant. Dieses weite Intervall der grossen None ist bewusst gewählt, es soll die Gedanken quasi öffnen und zu persönlichen Fantasien anregen.
Abschließend will ich einen Gedanken zum Titel "Black Iris" teilen. Die Iris ist in meinen Augen einer der farbenprächtigsten und vielfältigsten Teile des tierischen und menschlichen Körpers – nicht umsonst wird sie Regenbogenhaut genannt. Das Begriffspaar im Titel meiner Komposition "Black Iris" soll in erster Linie einen Gedankenanstoss evozieren. Denn die Begriffe verlieren im Zusammenklang einen Teil ihrer Sinnhaftigkeit: Die Iris ist in natura nie gänzlich schwarz und gerade im unmittelbaren Umfeld der schwarzen Pupille verliert sie, wenn sie schwarz ist, nicht bloss ihre Farbenpracht. Sie verliert auch ihre Form, ihren Charakter. Je nach dem verliert eine schwarze Iris auch ihren Zweck...