Saint Ludmilla op. 71
Saint Ludmilla op. 71
Oratorum für Soli, gemischten Chor und Orchester
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Antonín Dvořák
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Beschreibung:

  • Opus: 71
  • Genre: Oratorium
Bei der heiligen Ludmila handelt es sich um eine gut belegte historische Gestalt aus dem Böhmen des späten 9. bzw. frühen 10. Jahrhunderts, die bei der Christianisierung ihrer Heimat eine maßgebende Rolle gespielt hatte. Nachdem Ludmila im Jahre 874 als 14jährige den böhmischen Herzog Bořivoj heiratete, ließ sich das Ehepaar zwischen 882 und 885 - wohl aus politischen Überlegungen - zum Christentum bekehren. Bei der Taufe wirkte kein geringerer mit als der heilige Methodius, der mit seinem Bruder Kyrill die Heilige Schrift in die altkirchenslawische Sprache übersetzt hatte. So entstand auf diese Weise eine enge Beziehung zwischen dem Christentum Böhmens und dem orthodoxen Ritus. Die politischen Unruhen, die diese Bekehrung entfachte, führten jedoch zu Aufständen und schließlich zur Verbannung des Ehepaares. Nach dem Tod Bořivojs durfte sich die nunmehr 28jährige Ludmila in einer Burg in der Nähe von Prag niederlassen, wo sie später mit der Erziehung ihrer Enkelkinder - darunter auch des heiligen Wenzels - beauftragt wurde. In dieser Funktion geriet sie jedoch mit ihrer noch heidnischen Schwiegertochter Drahomíra in Konflikt, die Ludmila aus Angst vor deren Macht und Einfluß im Jahre 921 erdrosseln ließ. Schon kurz nach deren Hinrichtung erblühte um die Märtyrerin ein Kult, der sie bis heute zur Schutzheiligen von Böhmen und der Přemyslid-Dynastie kürte, darüberhinaus der von Winzern, Müttern, Großmüttern, Bekehrten, Witwen, Herzöginnen und christlichen Erziehern hat erheben lassen.

Nach diesen historisch belegten Ereignissen schuf der Schriftsteller und Übersetzer Jaroslav Vrchlický eine umfassende Tetralogie über das Leben der heiligen Ludmila. Daraus wählte Dvořák den ersten Teil, der sich mit der Jugend und Bekehrung der Heiligen befaßt und daher dem Komponisten größere Möglichkeiten zu großangelegten Chorsätzen im Stile Händels, romantischen Zwischenspielen und einem triumphierenden Schluß bot. Das Oratorium gliedert sich in drei Teile, wobei die historischen Begebenheiten leicht umgeändert wurden. um die dramatische Wirkung zu erhöhen:

1. Teil: Während der Einweihung einer heidnischen Statue der Göttin Baba vor dem versammelten Volk platzt der christliche Einsiedler Iwan (Baß) in die Feierlichkeiten hinein und zerstört das Götzenbild. Die aufgebrachte Menge will sich an ihm rächen, wird jedoch von Ludmila (Sopran) zurückgehalten, die den Eremiten in Schutz nimmt.
2. Teil: Ludmila befindet sich in der Einsiedelei Iwans. Da wird sie von einer Jagdpartie des Herzogs Bořivoj (Tenor) entdeckt, der zur Begleitung üppig-romantischer Liebesmusik von der Schönheit und Demut der jungen Frau berauscht wird und sich entschließt, sie zu ehelichen.

3. Teil: Bořivoj und Ludmila werden getauft und in einer großen Feier vermählt, bei der als christliches Symbol das altslawische Kirchenlied Hospodine, pomiluj ny ("Herr, erbarme dich unser") aus dem 11. Jahrhundert in die Partitur eingeflochten und schließlich als C-Dur-Fuge verarbeitet wird.

Auch wenn sich das Oratorium Die Heilige Ludmila auf den ersten Teil der von Vrchlický anvisierten Tetralogie beschränkt, beinhaltet sie gut dreieinhalb Stunden Musik, und Dvořák fand sich bald unter großem Zeitdruck, um die Partitur vor der geplanten Uraufführung im Oktober 1886 rechtzeitig abzuschließen. Am 17. September 1885 machte er sich ans Werk und arbeitete praktisch ohne Unterbrechung bis in den Winter hinein, wobei er die Sorgen Littletons um die sofortige Drucklegung der Klavierauszüge beschwichtigte und die Vertonung in Teillieferungen abschickte. Im April zweifelte er sogar daran, das neue Werk überhaupt abschließen zu können ("Das Ganze ist sehr unangenehm und macht mir allergrößte Sorge"). Zum Glück jedoch fiel der 3. Teil kürzer aus als die beiden anderen, und am 30. Mai 1886 - nach gut neun Monaten Kompositionsarbeit - war es ihm gelungen, die vollständige Partitur abzuschließen.