5 Variationen
über ein Thema von Franz Schubert
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Helmut Lachenmann
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Beschreibung:

  • Seiten: 12
  • Erschienen: 23.07.2021
  • Dauer: 7:00
  • Maße: 230 x 305 mm
  • Gewicht: 78 g
  • Genre: Klassik, Klassische Musik der Moderne
  • ISMN: 9790004188972
Obwohl die Variationen vorwiegend von rationalen Kompositionsmitteln in Anlehnung an Reihentechniken Schönbergs und des späten Strawinsky geprägt sind, ist in ihnen das spielerische musikantische Element und der tänzerische Charakter, wenn auch immer wieder anders gebrochen, erhalten geblieben.

(Helmut Lachenmann, 1985)

Das bürgerliche Denken ist gekennzeichnet durch ein hochentwickeltes System von Verdrängungsmechanismen, welche die Isolation, Entfremdung, Angst und Sprachlosigkeit des Individuums überspielen sollen. Unser Kulturbetrieb ist ein wesentlicher Teil dieses Verdrängungssystems. In diesem Sinn hat er die Tradition in Beschlag genommen: die Illusion einer in Wirklichkeit längst verlorenen gemeinsamen Verständigungsbasis bewahrt er durch die Konservierung und Fetischisierung historischer ästhetischer Kategorien und daran gebundener Wertvorstellungen; als Synonym für tabuisierte Konvention bildet Tradition heute einen verräterischen Teil dieser unserer Wirklichkeit.

Die Fünf Variationen über ein Thema von Franz Schubert sind 1956, also noch vor meinem Studium bei Nono, entstanden. In ihnen ist jener oben ausgeführte gesellschafts- und kulturbetriebskritische Ansatz noch kaum erkennbar, eher keimhaft verborgen. Ich mag das Stück so, wie einer vielleicht Souvenirs aus seiner Jugend mag. Es ist vorwiegend von rationalen Prinzipien in Anlehnung an Motivtechniken Schönbergs und des späten Strawinsky geprägt, und doch ist das musikantische Element und der tänzerische Charakter, wenn auch immer anders gebrochen, erhalten geblieben. Noch nicht ausgeprägt ist hierin der Widerstand gegen Tradition, insofern deren Kategorien als herrschende Konventionen jenen zuvor erwähnten bürgerlichen Verdrängungsmechanismen unterstellt sind.

Helmut Lachenmann

(aus: Programmheft Tage der Neuen Musik, Würzburg 1989)