Béla Bartók
Andante
Erstveröffentlichung
Béla Bartók
Andante
Erstveröffentlichung
- Besetzung Klavier
- Komponist Béla Bartók
-
Schwierigkeit
- Ausgabe Noten
- Verlag Universal Edition
- Bestell-Nr. UE31442
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Beschreibung:
Im Archiv Peter Bartóks in Florida sind zwei Manuskripte der Suite op. 14 aufbewahrt: die autografe Skizze (ohne Satztitel und dynamische Zeichen) und eine handschriftliche Kopie der ersten Gattin Bartóks, Márta Ziegler, mit Korrekturen des Komponisten. (…) Beide amerikanische Manuskripte der Suite enthalten das Andante. Was konnte den Komponisten motiviert haben, diesen Satz bei der Veröffentlichung des Werkes zu eliminieren? Um diese Frage zu beantworten, muss das Werk in seiner Ganzheit betrachtet werden. Wie schon zweihundert Jahre zuvor bei der barocken Suite entwickelt sich auch hier jeder Satz aus der Grundform eines stilisierten Tanzes. Im ersten Satz wird das Pulsieren barocker Concerti mit dem Rhythmus des ungarischen Schweinehirtentanzes kombiniert. Der zweite Satz ist ein Scherzo im Sinne Beethovens; auch die tetrapodische Gliederung des Themas erinnert an das Scherzo der 9. Symphonie. Der dritte Satz vertritt einen charakteristischen Typus Bartókscher Musik, die Hetzjagd, wie man ihn später auch in bestimmten Teilen des Wunderbaren Mandarin (1919) und der Cantata profana (1930) wiederfindet. Im vierten Satz verändert sich plötzlich das Bild: auf die drei schnellen Teile folgt ein herzergreifender, langsamer Tanz. Dieser gewaltige Stimmungskontrast ist ungeheuer wirkungsvoll, umso mehr, als dieser Satz die Funktion eines Finales hat: das ganze Werk klingt mit dem langsamen Satz aus. Diese Wirkung konnte der Komponist nur durch den Verzicht auf den anderen langsamen Satz erreichen. Aus dramaturgischen Gründen hatte Bartók damit die richtige Entscheidung getroffen. Das ausgelassene Andante verdient trotzdem, der Nachwelt präsentiert zu werden. Der menuettartige Satz ist auf dem Grundton Fis aufgebaut, das Thema besteht aus Sprüngen von großen Terzen (enharmonisch aus verminderten Quarten). In jeder seiner vier-, acht- und zwölftaktigen Formeinheiten kommen zehn oder sogar alle zwölf Töne der chromatischen Skala vor, ohne dass jedoch der Boden der Tonalität auch nur für einen Augenblick verlassen würde. Es ist eine wichtige Studie aus der Werkstatt Bartóks und dem Komponisten in jeder Hinsicht würdig. (F. Bónis)