Oliver Greif
Sonate pour piano no 21, "Codex Domini"
Oliver Greif
Sonate pour piano no 21, "Codex Domini"
- Besetzung Klavier
- Komponist Oliver Greif
- Bearbeiter Anne-Élise Thouvenin
- Ausgabe Noten
- Verlag Symétrie
- Bestell-Nr. 9782364852747
Beschreibung:
Nach einer langen Zeit des Schweigens, die er als notwendig erachtete, kehrte Greif nach gut drei Jahren zur Komposition zurück, bevor er 1994 diese Sonate schrieb, die in nur einem Monat vollendet wurde. Sie ist somit Teil der Produktion der letzten Schaffensjahre.
Greif war sehr vorsichtig bei der Wahl der Titel für seine Werke und scheint die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Codex" berücksichtigt zu haben. Wie das Werk selbst hat auch dieser Begriff mehrere Bedeutungsebenen, insbesondere als Formelsammlung, Abhandlung oder Referenztext. So kann das Werk als Buch des "Meisters" oder "Herrn" gesehen werden, in Anlehnung an die Heilige Schrift, aber auch als "Buch des Autors" selbst, die Sammlung, in der er seine Worte konzentriert und die Quintessenz seiner Kunst liefert, was beispielsweise an die Codexe von Leonardo da Vinci erinnern würde. Wie das zwei Jahre später komponierte Quintett "A Tale of the World", op. 307, könnte dieser musikalische Kodex als "A Tale of Olivier Greif" betrachtet werden. Das Konzept des "Buches", das dem Künstler vor allem aus seinen Werken Le Livre du Pèlerin, op. 144, und The Book of Irish Saints, op. 323, bekannt ist, findet sich auch in der chronologischen Organisation seines Autographenkatalogs wieder, in dem die Werke seines Repertoires in Bücher mit den Nummern 1 bis 6 unterteilt sind. Einen intertextuellen Bezug zum Zohar hat das Werk auch mit der ersten Fassung der Requiem-Sonate für Cello und Klavier (1979) und einen eher schwachen mit dem oben erwähnten Quintett. Greif begnügte sich nicht damit, den Begriff "Codex" als Titel zu verwenden und damit den verschlüsselten und erst recht den sibyllinischen Charakter des Werks deutlich zu machen, sondern er ging sogar so weit, ihn in seinen musikalischen Rahmen einzubinden, indem er seinem ersten Satz das melodische Motiv zugrunde legte, das sich aus der Korrespondenz zwischen Buchstaben und Noten ergibt, wie die Worte zeigen, die unter dem ersten System auf der ersten Seite eingeschrieben sind: C-A-N-C-E-R C-O-D-E-X D-O-M-I-N-I. Ein Verfahren, das ihm übrigens keineswegs fremd ist, denn es findet sich in einer Reihe anderer Klavierwerke. Greif hat es sogar genossen, einige seiner Freunde auf diese Weise musikalisch zu porträtieren; das Konzept des Porträts, das über die einfache alphabetische Korrespondenz hinausgeht, findet seinen Höhepunkt in dem "radikalen und irreduziblen" Zyklus Portraits et apparitions, op. 359. Aber die wichtigste Erscheinung, die dieses ganze "verschlüsselte Klangbuch" durchdringt, ist weitaus schicksalhafter: Eingebettet in die Tonart es-Moll, die der Komponist Benoît Menut als Repräsentant des Todes und als Symbol der Klage in Greifs Werk identifiziert, spiegelt sich hier das Krebsgeschwür wider, das den Komponisten nur drei Monate vor der Komposition dieser Sonate heimtückisch befallen hat und das auch in das harmonische Gewebe eingewoben ist.
Die 21-minütige Sonate, die "bis ins kleinste Detail kodiert" ist, enthält zwei Hauptthemen: das des ersten Satzes, das auf dem von Louis Ferrari auf einen Text von Jacques Plante komponierten und von André Claveau 1950 gesungenen Lied Domino basiert, und das, das den letzten Satz eröffnet. Obwohl Greif selten die Herkunft seiner Quellen oder seine verschiedenen Inspirationen angibt, nennt er auf Seite 6 des Manuskripts dieser Sonate einen Titel und eine mögliche Herkunft des verwendeten Liedes: "(O Name, alle anderen Namen oben) zugeschrieben Richard Farrant, ca. 1530-80". Die Paginierung darunter deutet darauf hin, dass die Hymne einem Werk entnommen wurde, dessen Quelle unbekannt bleibt. Es war nicht möglich, die von Greif verwendete Melodie mit dem Lied O Name, all other names above in Verbindung zu bringen, das von Frederick Lucian Hosmer geschrieben wurde und oft zu verschiedenen Melodien wie Woodoaks, Windsor oder Arlington gesungen wird. Die von Greif stammende Arie, die gemeinhin dem elisabethanischen Komponisten und Dramatiker Richard Farrant zugeschrieben wird, ist dagegen als Farrant bekannt.
Diese Ausgabe entstand im Rahmen des Projekts "Recherches en musique: collaboration entre jeunes chercheurs et artistes" unter der Schirmherrschaft der Société française de musicologie, mit Unterstützung des französischen Kulturministeriums und unter Mitwirkung der Pianistin Aline Piboule, die sie im April 2023 für das Label Artalinna einspielte (veröffentlicht im April 2024).
Anne-Élise Thouvenin
(Übersetzung Hjördis Thébault)
Greif war sehr vorsichtig bei der Wahl der Titel für seine Werke und scheint die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Codex" berücksichtigt zu haben. Wie das Werk selbst hat auch dieser Begriff mehrere Bedeutungsebenen, insbesondere als Formelsammlung, Abhandlung oder Referenztext. So kann das Werk als Buch des "Meisters" oder "Herrn" gesehen werden, in Anlehnung an die Heilige Schrift, aber auch als "Buch des Autors" selbst, die Sammlung, in der er seine Worte konzentriert und die Quintessenz seiner Kunst liefert, was beispielsweise an die Codexe von Leonardo da Vinci erinnern würde. Wie das zwei Jahre später komponierte Quintett "A Tale of the World", op. 307, könnte dieser musikalische Kodex als "A Tale of Olivier Greif" betrachtet werden. Das Konzept des "Buches", das dem Künstler vor allem aus seinen Werken Le Livre du Pèlerin, op. 144, und The Book of Irish Saints, op. 323, bekannt ist, findet sich auch in der chronologischen Organisation seines Autographenkatalogs wieder, in dem die Werke seines Repertoires in Bücher mit den Nummern 1 bis 6 unterteilt sind. Einen intertextuellen Bezug zum Zohar hat das Werk auch mit der ersten Fassung der Requiem-Sonate für Cello und Klavier (1979) und einen eher schwachen mit dem oben erwähnten Quintett. Greif begnügte sich nicht damit, den Begriff "Codex" als Titel zu verwenden und damit den verschlüsselten und erst recht den sibyllinischen Charakter des Werks deutlich zu machen, sondern er ging sogar so weit, ihn in seinen musikalischen Rahmen einzubinden, indem er seinem ersten Satz das melodische Motiv zugrunde legte, das sich aus der Korrespondenz zwischen Buchstaben und Noten ergibt, wie die Worte zeigen, die unter dem ersten System auf der ersten Seite eingeschrieben sind: C-A-N-C-E-R C-O-D-E-X D-O-M-I-N-I. Ein Verfahren, das ihm übrigens keineswegs fremd ist, denn es findet sich in einer Reihe anderer Klavierwerke. Greif hat es sogar genossen, einige seiner Freunde auf diese Weise musikalisch zu porträtieren; das Konzept des Porträts, das über die einfache alphabetische Korrespondenz hinausgeht, findet seinen Höhepunkt in dem "radikalen und irreduziblen" Zyklus Portraits et apparitions, op. 359. Aber die wichtigste Erscheinung, die dieses ganze "verschlüsselte Klangbuch" durchdringt, ist weitaus schicksalhafter: Eingebettet in die Tonart es-Moll, die der Komponist Benoît Menut als Repräsentant des Todes und als Symbol der Klage in Greifs Werk identifiziert, spiegelt sich hier das Krebsgeschwür wider, das den Komponisten nur drei Monate vor der Komposition dieser Sonate heimtückisch befallen hat und das auch in das harmonische Gewebe eingewoben ist.
Die 21-minütige Sonate, die "bis ins kleinste Detail kodiert" ist, enthält zwei Hauptthemen: das des ersten Satzes, das auf dem von Louis Ferrari auf einen Text von Jacques Plante komponierten und von André Claveau 1950 gesungenen Lied Domino basiert, und das, das den letzten Satz eröffnet. Obwohl Greif selten die Herkunft seiner Quellen oder seine verschiedenen Inspirationen angibt, nennt er auf Seite 6 des Manuskripts dieser Sonate einen Titel und eine mögliche Herkunft des verwendeten Liedes: "(O Name, alle anderen Namen oben) zugeschrieben Richard Farrant, ca. 1530-80". Die Paginierung darunter deutet darauf hin, dass die Hymne einem Werk entnommen wurde, dessen Quelle unbekannt bleibt. Es war nicht möglich, die von Greif verwendete Melodie mit dem Lied O Name, all other names above in Verbindung zu bringen, das von Frederick Lucian Hosmer geschrieben wurde und oft zu verschiedenen Melodien wie Woodoaks, Windsor oder Arlington gesungen wird. Die von Greif stammende Arie, die gemeinhin dem elisabethanischen Komponisten und Dramatiker Richard Farrant zugeschrieben wird, ist dagegen als Farrant bekannt.
Diese Ausgabe entstand im Rahmen des Projekts "Recherches en musique: collaboration entre jeunes chercheurs et artistes" unter der Schirmherrschaft der Société française de musicologie, mit Unterstützung des französischen Kulturministeriums und unter Mitwirkung der Pianistin Aline Piboule, die sie im April 2023 für das Label Artalinna einspielte (veröffentlicht im April 2024).
Anne-Élise Thouvenin
(Übersetzung Hjördis Thébault)