Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 5 B-dur
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 5 B-dur
- Besetzung Orchester
- Komponist Anton Bruckner
- Herausgeber Hans-Hubert Schönzeler
- Ausgabe Partitur
- Verlag Edition Kunzelmann
- Bestell-Nr. KU-OCT10463
Beschreibung:
I Introduktion, Adagio - Allegro II Sehr langsam III Molto vivace IV Adagio - Allegro moderato Erst im Alter von 41 Jahren begann Bruckner, der Spätreife, sein wahres symphonisches Schaffen', und die 5. Symphonie in B-dur bildet 1 löhepunkt und Abschluss zugleich der ersten seiner beiden großen Schöpfungswellen. Mit der Messe in d-moll (1864) hatte er sein erstes vollgültiges Meisterwerk hervorgebracht, und bereits im Januar 1865 begann er mit der Arbeit an der c-moll-Symphonie, die er später selbst als Nr. 1 bezeichnete; zwölf Monate später lag sie in ihrer sog. `Linzer' Fassung vor. Ihr folgten die beiden anderen großen Messen in e-moll (1866) und f-moll (1867/68), und mit diesen beiden Werken kam auch Bruckners Linzer Zeit zu ihrem Ende. Im Sommer 1868 zog er nach Wien, und es ist bemerkenswert, dass er, einer der tief-religiösesten aller Komponisten, sich nun fast ausschliesslich der Symphonie zuwendete - als ob er sein ureigenes `Credo' besser in den wortlosen Klängen absoluter Musik habe zum Ausdruck bringen können. In seiner Wohnung in der Währingerstrasse entstanden nun in schneller Reihenfolge die nächsten großen Symphonien: Nr. 2 in c-moll (1871/7'), die Richard Wagner gewidmete Nr. 3 in d-moll (1873), die `Romantische' Nr. 4 in Es-dur (1874) und letztlich die große Nr. 5 in B-dur (1875/76). Danach folgte eine Schaffenspause, die großen Teils mit Revisionsarbeiten seiner früheren Werke ausgefüllt war; in den 80er Jahren entstanden dann die nächsten drei Symphonien Nr. 6, Nr. 7 und Nr. 8 sowie die ersten Skizzen zu der unvollendeten Nr. 9. Nur einer all seiner Symphonien gab Bruckner einen spezifischen Untertitel: der 4. Symphonie in Es-dur, die er die `Romantische' nannte. Doch für einige andere hatte er seine eigenen Bezeichnungen, und so sprach er manchmal von der 5. Symphonie als der `Phantastischen'. Dieser Benennung sollte man viel mehr Gewicht beimessen, denn sowohl das Werk als solches als auch seine Entstehung ist wirklich als `phantastisch' zu bezeichnen. Sowohl die erste als auch die zweite Symphonie hatten ihre Erstaufführungen erlebt, beide unter Bruckners eigener Leitung (Nr. 1 in Linz, 9. Mai 1868; Nr. 2 in Wien, 26. Oktober 1873), doch von den beiden nach ihnen enstandenen hatte Bruckner noch nicht eine Note gehört. Dennoch verstrichen nur wenige 'Kochen nach Beendigung der 4. Symphonie (in ihrer Urfassung) ehe der Meister sich an die Fünfte machte. Trotz Depressionen und äuf.ierer Rückschläge, an denen diese Periode seines Lebens reich war, entstand zwischen Februar und November 1875 die Symphonie, die an Umfang und Inhalt alles bisher auf symphonischem Gebiete Geschaffene übertraf -- ein Höhepunkt, der auch später nur selten erreicht wurde. Im Bruckner'schen Gesamtwerk ist sie eine Art Mittelpfeiler (sogar numerisch, im Rahmen der Gesamtzahl von neun Synr phonien!) und weist, zukunftsträchtig, auf die Symphonien Nr. 8 und Nr. 9 hin. Doch das Einmalige dieser Symphonie beschränkt sich nicht auf Äusserlichkeiten. Bereits der Anfang ist überraschend, denn keine andere Bruckner-Symphonie beginnt mit einer ausgedehnten Adagio-Einleitung, zumal einer Einleitung, die im Keime bereits alles thematisch Wesentliche des ganzen Werkes enthält. Der erste Satz entfaltet sich dann in der Bruckner eigentümlichen Sonatenforrn, in welcher sich Themengruppen gegenüberstehen und harmonische Spannungsverhältnisse formbestimmend sind, und ihm folgt das grossangelegte Adagio, einer der eigenartigsten Sitze in Bruckners Schaffen. Der berühmte Bruckner-Rhythmus von Duoleplus-Triole erlebt hier eine neue Durchdringung, indem die Streicher, pizzicato, den Satz mit einem 6/4-Rhythmus eröffnen und die Oboe dann ihre 1 Hauptmelodie im 4/4 T akt darüber singt. Wie stets, stehen sich auch in diesem Satz zwei melodische Hauptgruppen gegenüber, doch trotz des scheinbar einfachen Satzschemas A-B-A-B-A kann man hier nicht von einer Art Variationstform sprechcn. Wie Max Auer sagt -Die Veränderungen der beiden Themen erfolgen in Rondoform.