Jan Dismas Zelenka
Messe D-dur
für Soli, Chor und Orchester (Missa Circumcisionis Domini Nostri Jesu Christi)
Jan Dismas Zelenka
Messe D-dur
für Soli, Chor und Orchester (Missa Circumcisionis Domini Nostri Jesu Christi)
- Besetzung Soli, Chor und Orchester
- Komponist Jan Dismas Zelenka
- Bearbeiter Raimund Rüegge
- Herausgeber Raimund Rüegge
- Ausgabe Noten
- Verlag Edition Kunzelmann
- Bestell-Nr. KU-OCT10205
Beschreibung:
Im kompositorischen Schaffen von Jan Dismas Zelenka (1679-1745) steht die lateinische Kirchenmusik im Zentrum. Die Zeitgenossen kannten und schätzten Zelenka vor allem als Kirchenmusiker: J.S. Bach beauftragte seinen in Dresden tätigen Sohn Wilhelm Friedemann, ein Magnificat in D von Zelenka abzuschreiben. Von G. Ph. Telemann ist ein schriftliches Urteil erhalten; er schreibt über 'Responsorien', die der Dresdener Geiger J. G. Pisendel kopiert hat: 'Dieses Werk verdient, wegen der darin enthaltenen besonderen Arbeit, einen Liebhaber, der wenigstens 100 Thlr. entbehren kann, um es zu besitzen. Es sind nur 3. bis 4. einzelne Stücke davon der Welt bekandt, das völlige Manuscript aber wird am Dresdenschen Hofe, als etwas seltenes, unter Schlössern verwahret, wovon jedoch ein Herzensfreund des verstorbenen Verfassers vorher diese unfehlerhafte Abschrift genommen hat. Hambg, den 17. Apr. 1756. Telemann. Aus den mehr als 20 überlieferten Messen Zelenkas wurde ein besonders festlich besetztes Werk der mittleren Schaffensperiode zur Veröffentlichung ausgewählt. Die 'Missa Circumcisionis Domini Nostri Jesu Christi' ('Beschneidung unseres Herrn Jesu Christi', 1. Januar) wurde Ende 1728 vollendet. Der Beginn des Gloria trägt die Datierung '24. Dezember 1728', unter der Überschrift 'Credo' steht '1728, 28. Dezem.'. Das Werk fasziniert durch die gleichzeitige Verwendung von 3 Trompeten, Pauken und 2 Hörnern in zahlreichen Chorsätzen - bei J.S. Bach sind in der Kirchenmusik Trompeten und Hörner nie gleichzeitig eingesetzt! Stärker als in Zelenkas Psalmvertonungen wird bei dieser Messe in vielen Chorsätzen die neue italienische Ritornellform in mannigfaltiger Weise abgewandelt, so z.B, im 'Gloria' durch einfache Fanfarenmotive sowie ein jubelndes Unisono bei 'glorificamus', im 'Credo' zu Beginn durch ein sequenziertes Ritornell im Unisono in der Art Vivaldis, bei 'Et resurrexit' wiederum durch ein rhythmisch profiliertes Thema in den 'Violini unissoni' (Albinoni). Neben der Umformung italienischer Techniken begegnet aber auch norddeutsche Polyphonie mit motivischer Vielfalt im Orchesterpart (z.B. im 'Kyrie') oder eigenwillig strenge Fugentechnik ('Cum Sancto Spirito'). Die Solisten werden häufig als Ensemble in die Chorsätze integriert, sind aber auch in vier selbständigen Arien/Duetten mit aparter Instrumentalbegleitung zu hören. Unserem Erstdruck liegt das Autograph Zelenkas aus der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden zugrunde (Signatur Mus. 2358-D-24). Die Handschrift hat unter Feuchtigkeit gelitten und ist stellenweise schwer leserlich. An dieser Stelle sei der Sächsischen Landesbibliothek gebührend gedankt für die Druckerlaubnis; dem Leiter der Musikabteilung, Herrn Dr. Reich danke ich für die Mithilfe bei der Bereinigung von schlecht lesbaren Einzelheiten. Zur 'Missa Circumcisionis' ist kein zeitgenössisches Aufführungsmaterial vorhanden. Nach den alten Katalogen zu urteilen scheint Material auch schon vor dem zweiten Weltkrieg gefehlt zu haben. In der Partitur finden sich verhältnismässig viele kleine Unstimmigkeiten. Die Dynamik ist im Vergleich mit Instrumentalwerken Zelenkas eher spärlich bezeichnet; so treten kaum dynamische Angaben auf, welche eine komplizierte motivisch-polyphone Struktur verdeutlichen helfen würden. Die in den Vokalstimmen auftretenden Vermerke 'Tutti/Solo' wurden übernommen. In den hohen Instrumentalstimmen begegnet vereinzelt die Notiz 'Solo' - hier jedoch, um dem Spieler eine exponierte Stelle anzuzeigen (z.B. am Schlusse des 'Gloria' (Nr. 6), Takt 58, Taktmitte in beiden Hörnern; Takt 59 in Trompete 1 und 11). Der Instrumentalbass ist (nur in den Abschnitten mit Chor) ziemlich konsequent folgendermassen bezeichnet: Instrumentale Einleitungen und Zwischenspiele mit der Notiz 'Solo', Teile mit dem Chor tragen den Vermerk 'Tutti'. Die Bemerkung 'Tutti' weist also lediglich auf die Präsenz des Chores hin; der Beginn von Nr. 6 'Cum Sancto Spiritu' beispielsweise würde als 'Tutti' mit sämtlichen Bassinstrument