Misato Mochizuki
Intermezzi II für Koto
Misato Mochizuki
Intermezzi II für Koto
- Besetzung Harfe
- Komponist Misato Mochizuki
- Ausgabe Noten
- Verlag Breitkopf & Härtel
- Bestell-Nr. EB9154
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Beschreibung:
UA Schwaz (Festival klangspuren), 8. September 2002
Die Serie meiner Stücke mit dem Titel 'Intermezzi' ('Intermezzi 1' für Flöte und Klavier, 'Intermezzi 2' für Koto solo) wurde von einem Gedanken Roland Barthes' über den fragmentarischen Diskurs inspiriert. Eine Vielzahl seiner Bücher sind in diesem Stil geschrieben: Ohne einen zuvor festgelegten Argumentationsfaden folgen Reflexionen über verschiedene Themen aufeinander. Diese Art der Rhetorik erlaubt ihm, die Simultaneität von Gedanken auszudrücken, das Aneinanderstossen oder die Verdichtung. Der Geist des Lesers wird fortwährenden Brüchen ausgesetzt und ist so gezwungen, eine neue Art der Synthese herzustellen. Vielleicht ist das eine elegante Art, das Unfassbare durch die Anhäufung seiner Erscheinungen einzukreisen.
Fragmentarisch schreiben: Die Fragmente sind also Steine im Umfeld des Kreises: Ich breite mich kreisförmig aus: Mein ganzes kleines Universum besteht aus Krümeln; in der Mitte, was?
Wenn man also die Fragmente in eine Reihe legt, ist keine Organisation möglich? Doch: Das Fragment ist wie die musikalische Idee eines Zyklus' ('La Bonne Chanson, Dichterliebe'): Jeder Teil genügt sich selbst, und zugleich ist er nie mehr als der Raum zwischen den ihn umgebenden Teilen: Das Werk besteht nur aus Aussertextlichem. Derjenige, der (vor Webern) die ?sthetik des Fragments am besten verstanden und praktiziert hat, ist vielleicht Schumann; er nannte das Fragment ((Intermezzo)); er hat die Intermezzi in seinen Werken vervielfacht: Alles, was er schuf, war letztlich 'eingefügt': aber zwischen was und was? Was bedeutet die reine Abfolge von Unterbrechungen?
Das Fragment kennt ein Ideal: eine hohe Verdichtung, nicht von Gedanken oder von Weisheiten oder von Wahrheiten (wie in der Maxime), sondern von Musik: Der ((Ton)), etwas Artikuliertes und Gesungenes, eine Diktion würde sich der ((Entwicklung)) entgegen stellen: Dort müsste die 'Klangfarbe' regieren. 'Kurze Stücke' von Webern: keine Kadenzen: Wie souverän er es beherrscht, sich auf engem Raum zu drehen.
(Roland Barthes).
In 'Intermezzi 1' flüstern die Interpreten eine Folge von Wörtern, die von Roland Barthes entliehen sind: Unterbrechungen (Kurztexte, Brüche, Haikus, Notate, Sinnspiele; alles, was fällt, wie ein Blatt).
Misato Mochizuki (2002)
Die Serie meiner Stücke mit dem Titel 'Intermezzi' ('Intermezzi 1' für Flöte und Klavier, 'Intermezzi 2' für Koto solo) wurde von einem Gedanken Roland Barthes' über den fragmentarischen Diskurs inspiriert. Eine Vielzahl seiner Bücher sind in diesem Stil geschrieben: Ohne einen zuvor festgelegten Argumentationsfaden folgen Reflexionen über verschiedene Themen aufeinander. Diese Art der Rhetorik erlaubt ihm, die Simultaneität von Gedanken auszudrücken, das Aneinanderstossen oder die Verdichtung. Der Geist des Lesers wird fortwährenden Brüchen ausgesetzt und ist so gezwungen, eine neue Art der Synthese herzustellen. Vielleicht ist das eine elegante Art, das Unfassbare durch die Anhäufung seiner Erscheinungen einzukreisen.
Fragmentarisch schreiben: Die Fragmente sind also Steine im Umfeld des Kreises: Ich breite mich kreisförmig aus: Mein ganzes kleines Universum besteht aus Krümeln; in der Mitte, was?
Wenn man also die Fragmente in eine Reihe legt, ist keine Organisation möglich? Doch: Das Fragment ist wie die musikalische Idee eines Zyklus' ('La Bonne Chanson, Dichterliebe'): Jeder Teil genügt sich selbst, und zugleich ist er nie mehr als der Raum zwischen den ihn umgebenden Teilen: Das Werk besteht nur aus Aussertextlichem. Derjenige, der (vor Webern) die ?sthetik des Fragments am besten verstanden und praktiziert hat, ist vielleicht Schumann; er nannte das Fragment ((Intermezzo)); er hat die Intermezzi in seinen Werken vervielfacht: Alles, was er schuf, war letztlich 'eingefügt': aber zwischen was und was? Was bedeutet die reine Abfolge von Unterbrechungen?
Das Fragment kennt ein Ideal: eine hohe Verdichtung, nicht von Gedanken oder von Weisheiten oder von Wahrheiten (wie in der Maxime), sondern von Musik: Der ((Ton)), etwas Artikuliertes und Gesungenes, eine Diktion würde sich der ((Entwicklung)) entgegen stellen: Dort müsste die 'Klangfarbe' regieren. 'Kurze Stücke' von Webern: keine Kadenzen: Wie souverän er es beherrscht, sich auf engem Raum zu drehen.
(Roland Barthes).
In 'Intermezzi 1' flüstern die Interpreten eine Folge von Wörtern, die von Roland Barthes entliehen sind: Unterbrechungen (Kurztexte, Brüche, Haikus, Notate, Sinnspiele; alles, was fällt, wie ein Blatt).
Misato Mochizuki (2002)