Günther Bitzan
Sonate c-moll
Günther Bitzan
Sonate c-moll
- Besetzung Violine und Klavier
- Komponist Günther Bitzan
- Ausgabe Noten
- Verlag Zweiklang Verlag
- Bestell-Nr. ZV0-274
Beschreibung:
für Violine und Klaviervon Günther BitzanI. Satz: AllegroII. Satz: AndanteIII. Satz: MenuettoIV Satz: RondoZur Musik Die Sonate für Violine und Klavier in c-Moll gehört zu den frühesten erhaltenen Kompositionen Bitzans. Das undatierte Werk stammt mutmaßlich aus der ersten Hälfte des Jahres 1941; es ist die erste dokumentierte Auseinandersetzung des jugendlichen Autors mit einer mehrsätzigenSonatenform. Zwei weitere undatierte Kompositionen (Menuetto und Ländler für Violineund Klavier; Tänze für zwei Geigen und Cello) sind ebenfalls in die Zeit um 1940/1941 einzuordnen.Bitzan bedient sich zu dieser Zeit eines klassizistischen, vollständig in den Grenzender Dur-Moll-Tonalität verharrenden Kompositionsstils. Die verwendeten Formen und Gattungenlassen auf eine Orientierung an der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens schließen. Die vorliegende Sonate zeigt deutliche Merkmale einer Schülerarbeit, deren Satztechnik und Formgestalt vermuten lässt, dass der 13jährige Komponist noch keine systematische Unterweisung im Fach Komposition genossen hatte und sich intuitiv an stilistischen Vorbildernorientierte, die er aus dem eigenen Instrumentalunterricht kannte. Während der Beginn desKopfsatzes vom Gestus und Themenbau des Beginns der c-Moll-Violinsonate Ludwig van Beet-hovens (op. 30 Nr. 2) inspiriert zu sein scheint, offenbaren sich im weiteren Satzverlauf strukturelleSchwächen: Der Seitensatz der Exposition erscheint gegenüber der weitschweifigen Überleitungspassage,die ihm vorangeht, zu leichtgewichtig; die Exposition findet ihrerseits keinangemessenes Gegengewicht in dem folgenden Formteil, der Charaktere einer Durchführungund Reprise in sich vereint, ohne einen klar erkennbaren Wiedereintritt des Hauptthemas inder Grundtonart zu präsentieren. Da die Manuskriptfassung, die über weite Strecken in c-Mollverbleibt, zudem keinen überzeugenden Tonartenkontrast bietet (gegen Ende erscheint einkurzer Exkurs in die Oberquinttonart g-Moll, der zum Satzschluss fast gewaltsam wieder zurückzur Ausgangstonart geführt wird), erschien es mir geboten, in den Modulationsweg desSatzes einzugreifen, auch wenn dadurch die formalen Probleme unangetastet bleiben (siehehierzu den Revisionsbericht). Das an zweiter Stelle stehende Andante sowie das folgende Menuett erweisen sich alsüberzeugendere Lösungen hinsichtlich der Beherrschung der gewählten Formen. Beide stehen,ungewöhnlich angesichts der Haupttonart des Werkes, in D-Dur. Der tänzerische III. Satz kannals eine gelungene Stilstudie nach Menuettsätzen der Wiener Klassik gelten, während der II.Satz ähnliche Proportions- und Tonalitätsprobleme aufweist, wie sie im Kopfsatz beobachtetwerden konnten. Die wesentliche Stärke des jungen Komponisten ist die melodische Erfindung,wie sie sich durchweg in der organisch gearbeiteten Violinstimme zeigt. Folglich betreffen diemeisten editorischen Eingriffe den Klaviersatz, dessen Manuskript vielerorts unter ungünstigenVerdopplungen von Akkordtönen, repetitiven Begleitungsstrukturen und gelegentlich untereiner zu basslastigen Registerwahl leidet. Das lebhafte Finale kehrt zur Ausgangstonart c-Mollzurück; obgleich es als Rondo betitelt ist, präsentiert es vielmehr eine potpourri-artige Abfolgevon Themen und Einfällen in wechselnden Charakteren und Tonalitäten. Die einzige Wiederkehrdes Hauptthemas erscheint, eher die Reprise einer Sonatenhauptsatzform denn eineRefrainstruktur nahelegend, im letzten Viertel des Satzes. Die Partitur des Werkes liegt als Reinschrift in schwarzer Tinte vor; außerdem existierteine separate Violinstimme in gleicher Tinte, in die mit Bleistift aufführungspraktische Eintragungen(Taktzahlen und Fingersätze) vorgenommen wurden. In der vorliegenden Edition wurdeim Abweichungsfall der Partitur Vorrang gegeben. Das letzte Blatt der Violinstimme trägtden handschriftlichen Hinweis »Uraufgeführt am 27. Juli 1941 in Gegenwart der Nachstehenden:«, gefolgt von vier Unterschriften (mutmaßlich von Verwandten oder Lehrern Bitzans).Wer die Interpreten der offenbar in privaten oder schulischen Räumlichkeiten stattgefundenenUraufführung gewesen sind, ist nicht dokumentiert. Diese Edition ist meinem Großvater Tassilo Bitzan (* 1923), dem älteren Bruder GüntherBitzans, gewidmet, der den musikalischen Nachlass des Komponisten nach dessen Tod archiviertund ihn mir an Weihnachten 2013 zur weiteren Verwahrung übergeben hat.Wendelin BitzanBerlin, im September 2015