Nicolas Simion Group
Lullabies & Fairytales
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  • Besetzung Tonträger
  • Komponist Nicolas Simion Group
  • Ausgabe CD
  • Verlag Schott Musik
  • Bestell-Nr. INT34272
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Beschreibung:

Manmuss sich nicht lange auf die Musik einlassen, um hier einen besonderen Zugang zum Konzept des Piano-Trios zu finden. Es ist nicht nur der Umstand, dass Anja Mohr physische Wucht und spirituelle Verträumtheit auf einzigar-tige Weise verbindet. Die verführerische Kraft ihres Piano-Spiels geht eher von einem Mangel aus. Ein Mangel an Respekt und Verwurzelung in der Jazz-Tradition, der ihr neue Wege öffnet. Obwohl die Pianistin alles andere als eine Revoluzzerin ist, scheint sich der Jazz in ihrem Spiel gerade selbst neu zu erfinden. Sie fabuliert mit einer derart beeindruckenden Unbefangenheit, als würde sich mitten im Winter ein großes Scheunentor öffnen und den Blick auf eine prallbunte Blumenwiese freigeben.

Natürlich fallen zuerst die Coverversionen ins Ohr. Anja Mohrs Art, mit den Klassikern des Jazz umzuspringen, ist provokant. Egal, ob sie sich über das von John Coltrane geprägte 'Afro Blue', Miles Davis' 'Tutu' oder den Pop-Oldy 'Georgy Porgy' von Toto hermacht, setzt sie sich über die im Jazz übliche Arbeitsweise hinweg, ein Stück entweder zu sezieren und dann neu zusammenzusetzen oder einfach nur über den Changes zu improvisieren. Sie greift das Stück als Ganzes und lässt es uns durch ihr Ohr neu hören. Sie selbst nennt dieses Prinzip Reharmonisie-rung. 'Tutu' bleibt unverkennbar 'Tutu', und bei allem Respekt für Miles Davis ist es im Moment des Hörens kaum denkbar, dass dieses Stück jemals anders gespielt wurde. Die Gefahr, sich an den großen Monumenten der Jazzge-schichte eventuell zu überheben, blendet sie selbstbewusst aus. Jedes Risiko begreift sie zugleich als Chance.

Wenn überhaupt Vergleiche erlaubt sind, dann fällt eine gewisse geistige Verwandtschaft zum jungen Herbie Han-cock auf. Anja Mohrs Obsession für eingängige, vertraute Melodien, die selbstbewusst rollenden Grooves, das im-pressionistische Temperament samt kräftigem Colorit und ihre tänzelnde Spiritualität erinnern an Hancocks Alben der sechziger Jahre. Doch das ist über 40 Jahre her. Die Hamburger Pianistin löst sich von allem, was sie weiß und kennt. Anja Mohr hat die seltene Fähigkeit zur authentischen Ur-Äußerung. Ihr Debütalbum ist eins der ganz wenigen Beispiele von Musik, für deren Genuss man keinen Kontext braucht. Wenn böse Zungen behaupten würden, sie sei im engen Sinne gar keine Jazz-Musikerin, weil sie die Tradition zu wenig verinnerlicht habe, kann sie das als Kompliment für ihren schöpferischen Eigensinn auffassen. Anja Mohrs Musik ist im besten Sinne des Wortes rück-sichtslos. Den Regelkanon des Jazz ersetzt sie durch Intuition, die historische Überfrachtung durch ein sicheres Gespür für den Zeitgeist. Sie leistet sich den Luxus der Jugend, Musik für heute zu spielen, auch wenn sie auf das Gestern zurückgreift. Über die Allgemeingültigkeit ihrer Stücke lässt sie gelassen die Nachwelt entschieden.

Zum Jazz kam die Pianistin als Seiteneinsteigerin. Ursprünglich sang sie in einem Gospelchor. Ihr Wunsch nach vokaler Perfektionierung führte sie zu einer Jazz-Lehrerin. Diese empfahl sie an einen Klavierlehrer weiter, der sie für den Jazz begeisterte. Mit der Floskel vom Jazz als Klassik des 20. Jahrhunderts weiß sie heute nichts mehr anzu-fangen. Die Lust an der Entdeckung im unmittelbaren Ton gibt sie unverfälscht an ihren Hörer weiter. Eine hungrige Musikerin, für die Jazz noch eine riesige unerschlossene Geografie der unbegrenzten Möglichkeiten birgt. Trotz des abendlichen Titels klingt das Album wie ei