Metéoros
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Giorgio Mirto
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Beschreibung:

  • Seiten: 8
  • Erschienen: 01.07.2026
  • Gewicht: 36 g
  • Genre: Klassik, Klassische Musik der Moderne
  • ISBN: 9782898525544
Meteōros (μετέωρος) bedeutet "in der Höhe schwebend", "erhaben" oder "in der Luft existierend". Das Wort bezieht sich auf etwas, das nicht vollständig auf der Erde verankert ist, einen Zustand zwischen Schwere und Leichtigkeit, Stabilität und Ungewissheit. Im weiteren Sinne beschwört "metéōros" einen Zustand des Wartens, des prekären Gleichgewichts und der stillen Spannung auf etwas noch Unerfülltes herauf.

Genau diese Schwellen-Dimension bildet den poetischen Kern des Werks.

Der musikalische Diskurs entfaltet sich nicht entlang einer linearen Erzählachse oder eines stark teleologischen Prozesses; vielmehr entwickelt er sich als Erkundung des Schwebezustands und des aufmerksamen Zuhörens. Die natürlichen Resonanzen des Instruments werden zum primären Material und schaffen ein Klangfeld, in dem jedes Ereignis im akustischen Raum zu schweben scheint, bevor es sich allmählich auflöst.

Die tonale Schwerkraft wird mal abgeschwächt, mal nur angedeutet: Harmonische Zentren drängen sich nicht auf, sondern erscheinen lediglich als ferne Horizonte. Melodische Linien bewegen sich durch subtile Verschiebungen und winzige Schwingungen, vermeiden Betonung und bevorzugen eine zurückhaltende, fast meditative Geste.

Auch die Stille übernimmt eine strukturelle Rolle – nicht bloß als Pause, sondern als Ort der Resonanz und Erwartung, als Raum, in dem der Klang innerlich weiter schwingt.

So wird μετέωρος zu einer Metapher für einen existenziellen Zustand. "Schwebend" zu sein bedeutet nicht einfach, ohne Halt zu sein; es bedeutet, an einer Schwelle zu verweilen: zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen Klang und seiner Erinnerung, zwischen Präsenz und ihrem Echo. In diesem Sinne beschreibt die Musik kein Objekt, sondern verkörpert einen Seinszustand. Jede Phrase scheint ihr eigenes Gleichgewicht in Frage zu stellen, jeder Akkord eine Schwerkraft zu suchen, die ständig aufgeschoben wird.

In dieser Dimension wird die Berührung zum Maß der Zeit; die Schwingung zum Maß des Raums. Das Ergebnis ist eine Klanglandschaft, die zum tiefen Zuhören, zur Kontemplation und zu einer erweiterten Wahrnehmung einlädt, in der der Klang nicht verhallt, sondern – für einen flüchtigen und kostbaren Augenblick – in der Luft schwebt.

(Andrea Pace)