Guillaume Dufay
Missa Caput
für 4-stimmigen Chor (ca. 1440)
Guillaume Dufay
Missa Caput
für 4-stimmigen Chor (ca. 1440)
- Besetzung Chor (4-stimmig)
- Komponist Guillaume Dufay
- Bearbeiter Gabor Darvas
- Ausgabe Noten
- Verlag Edition Kunzelmann
- Bestell-Nr. KU-OCT10035
Beschreibung:
Die 'Missa Caput' von Dufay ist eine der ersten vierstimmigen Cantus firmus-Messen der Musikgeschichte. Das Werk dürfte irgendwann zwischen 1440 und 1460 entstanden sein; den Anzeichen nach begann es ursprünglich - nach englischem Vorbild - mit einem Gloria: das Kyrie ist vermutlich nachträglich im Jahre 1463 geschrieben worden, als der Komponist laut zeitgenössischen Quellen ' . . die Kyriel-Stimmen der Caput-Messe' vom Kopisten Simon Mellet in die Chorbücher von Cambrai eintragen liess. Auch der gewaltige, die übrigen Sätze übertreffende Umfang, wie auch die höherentwickelte Ausführungstechnik des Kyrie sprechen für seine spätere Entstehung. Auch der cantus firmus stammt aus einer englischen Quelle: aus dem Sarum-Repertorium (Antiphonale Sarisburiense) mit dem Textanfang 'Venit ad Petrum'. Die Melodie ertönt in sämtlichen Messesätzen zweimal: zunächst in ungeradem dann in geradem Rhythmus und stets in der Tenorstimme. Der Beginn der beiden höheren Stimmen am Anfang der Sätze dient ebenfalls der strukturellen Einheit. Den Text des Kyrie ergänzt der 'Deus creator omnium'-beginnende Tropus. Es ist ungewohnt, dass nach dem Christe eleison keine Rückkehr folgt; vielleicht wollte sich der Autor an die Zweiteiligkeit der übrigen Sätze halten. Die an zwei Stellen erfolgte Kürzung des traditionellen Credotextes ist dagegen keine isolierte Erscheinung in den Messen der Frührenaissance. Die Grundlage der vorliegenden Ausgabe bildet das im Trienter Kodex enthaltene Chorbuch in weisser Mensuralnotierung, dessen Faksimile sowie die Urtextausgabe im 38. Band (XIX. Jg. 1. Teil) der 'Denkmäler der Tonkunst in Österreich' erschienen ist (das Kyrie und das Agnus in zweierlei, kaum verschiedenen Versionen). Über die ursprüngliche Notierung gibt das am Anfang der Partitur publizierte Incipit eine Probe. Wir waren bestrebt, unter Beibehaltung der Texttreue eine auch für praktische Aufführung geeignete Ausgabe herauszubringen. Die Notenwerte sind im Verhältnis 4:1 umge stellt worden; dementsprechend ist in der metrischen Ordnung an die Stelle von 0 das Metrum 3/4, und anstatt C das Metrum 2/4 gekommen. Die Taktstriche sind zur Erleichterung des Vortrags bestimmt und haben sonst - z. B. in der Betonung - keinerlei Funktion. Die ursprünglichen Ligaturen geben wir überall genau an, doch bezeichnen wir sie durch einfache, moderne Bindebögen. Die Ergänzung der Versetzungszeichen (musica ficta) haben wir auf ein Mindestmass beschränkt und zur Unterscheidung von den ursprünglichen Akzidenzien in eckige Klammern gesetzt. Auch die Textunterlegung wurde im Geist der Epoche Dufays durchgeführt; dementsprechend haben wir möglichst die auf Vokale aufgebauten, je reicheren Melismen gegenüber den syllabischen Verdichtungen und Textwiederholungen bevorzugt. Die Lage der ursprünglich vier Stimmen ermöglicht den Vortrag durch einen gemischten Chor gewohnter Besetzung. Nur an insgesamt vier Stellen ist die Unterstützung der hohen Lage des Basses durch den Tenor empfehlenswert (Kyrie 66-73. Takt, 202215; Sanctus 162-172. Takt, Agnus 144151. Takt). Nach einigen Ansichten könnte man aus den verhältnismässig weniger beweglichen Stimmen Tenor und Contra 2 darauf schliessen, dass diese Stimmen durch Instrumente vorgetragen wurden. Das ist wohl möglich, doch durchaus nicht bewiesen; in einem unlängst in Coventry entdeckten Fragment des Agnus sind sogar die unteren Stimmen mit Text versehen. Die auf die Musikpraxis des XV. Jahrhunderts bezogenen Quellen und Angaben berechtigen sowohl zur a cappella, als auch zur gemischten (vokalen und instrumentalen) Ausführung. Im letzteren Fall können Instrumente Vokalstimmen ersetzen, verdoppeln oder aber auch mit den Singstimmen wechseln. Im Falle der Anwendung von Instrumenten schlagen wir vor allem die Orgel mit bescheidenen Klangfarben und höchstens zwei Registern vor. Die Verwendung von modernen Streich- und Blasinstrumenten ist bedenklich, da ihr Klang unvermeidlich den Eindruck späterer Epochen und Stilarten im Hörer erwecken wür