Konzertpädagogik – Künstlerische Musikvermittlung

Musikerziehung
Titelcollage Konzertpädagogik

Das größte Ziel der Konzertpädagogik ist das Vermitteln und Begeistern für die Musik. Doch es steckt noch viel mehr hinter dieser besonderen Art der Musikvermittlung! Im Artikel erläutern wir Ihnen unter anderem, welche weiteren Ziele mit der Konzertpädagogik verfolgt werden und wie Musiker und Nicht-Musiker voneinander lernen können.

Was ist Konzertpädagogik?

Bei der Konzertpädagogik handelt es sich um eine besondere Form der künstlerischen Musikvermittlung. Durch eine spielerische und aktive Beschäftigung mit (je nach Projekt unterschiedlichen) Musikstücken, wird der jeweiligen Zielgruppe Musik in ihrer Gesamtheit und Einzigartigkeit vermittelt. Und zwar ganz nach dem Motto „Musik zum Anfassen“. Besonders anzumerken ist, dass dies nur durch einen direkten Kontakt und Austausch zwischen Musizierenden und Nicht-Musizierenden erreicht wird.

Ein Beispiel aus dem Staatstheater Kassel:

Musik bewegt

Mit Musik kann jeder Mensch angesprochen werden. Das Alter, die Herkunft und der jeweilige soziale Status der Person spielen bei der Musik keine Rolle. Daher bieten künstlerische Musikvermittlungsprojekte auch die Möglichkeit, viele verschiedene Menschen für dieselbe Sache zu begeistern und sie miteinander zu verbinden.

Die Konzertpädagogik macht sich diesen besonderen Einfluss von Musik auf den Menschen zu nutzen. Denn im Gegensatz zur herkömmlichen Pädagogik wird die Musik hier fast schon künstlerisch vermittelt. Auch, wenn in der Konzertpädagogik zwar normale Pädagogikformen angewandt werden können, werden diese nicht von den Teilnehmern als solche wahrgenommen.

Das Wissen über das jeweilige Musikstück/den jeweiligen Interpreten, sollte den Projektteilnehmern so greifbar wie möglich präsentiert werden, damit möglichst alle Sinne angesprochen werden. Nur so ist eine bestmögliche Identifikation mit der Musik gewährleistet. Und: Im Idealfall erweckt man sogar die Liebe zum Musikensemble beim Teilnehmer.

 

Die Reihe „Listening Lab“ der Universal Edition

Cover Listening Lab

„Listening Lab“ zeigt anregende und praxisnahe Zugänge für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Musikvermittler finden allgemeine Tipps zum kreativen künstlerischen Gestalten mit Laien sowie konkrete Anregungen, die ein tiefes Verständnis für das jeweilige Werk ermöglichen.

Im Rahmen des 2. Bundeskongresses für Musikunterricht wurde die Reihe Listening Lab mit der VDS Empfehlung 2014 des Verbands Deutscher Schulmusiker ausgezeichnet.

Lieferbare Bände:

Ziele der künstlerischen Musikvermittlung

Die Ziele der künstlerischen Musikvermittlung können je nach Musikprojekt sehr unterschiedlich aussehen:

  • Beleben von künstlerischen, musikalischen Fähigkeiten
  • Die Lust auf Mehr wecken
  • Erhöhung des Selbstvertrauens der Teilnehmer
  • Verbesserung der Sichtweise zu einer bestimmten Musikrichtung

Das höchste Ziel der Konzertpädagogik ist aber sicherlich bei allen Projekten gleich: Das Vermitteln und Begeistern für die Musik.

Ein weiteres Ziel kann auch die Integration und Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern sein – meist wird dieses Ziel im Projektverlauf übrigens von ganz alleine erreicht, denn Musik verbindet bekanntlich.

Für Musiker und Ausrichter von Musikveranstaltungen kann die Konzertpädagogik übrigens auch eine ganz große Chance sein: Denn durch ein ansprechendes Musikvermittlungsprojekt können neue Musikfans/Zuhörer gewonnen werden. Außerdem können die Profi-Musiker von den Nicht-Muszierenden noch etwas in den Projekten lernen, denn oftmals vermitteln diese neue Ideen oder vervollständigen das Musikstück zu etwas ganz Besonderem.

 

Musikvermittlung wozu? – Umrisse und Perspektiven eines jungen Arbeitsfeldes
Cover Musikvermittlung wozu?In den Aufsätzen dieses Buches werden Umrisse und Aufgaben der künstlerischen Disziplin beschrieben, Arbeitsfelder, Ausbildungsfragen und Adressaten thematisiert, Methoden und neue Medien gesichtet, kritische Aspekte und Qualitätskriterien erörtert sowie historische Prozesse und zukunftsweisende Perspektiven aufgezeigt – Bestandsaufnahme und Neureflexion einer offenen und offensiven Musikvermittlung, die dem Musikleben neue Impulse verleiht. Zum Buch

Musizierende und Nicht-Musizierende lernen voneinander – Möglicher Projektablauf

Die Konzertpädagogik richtet sich nicht fest an eine bestimmte Alters- oder Menschengruppe. So können die Projekte für Kinder, Jugendliche, Schüler, Auszubildende, Erwachsene, Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten und auch für Senioren ausgerichtet sein. Allerdings richten sich die meisten Projekte an junge Menschen, da diese meist leider keinen hohen Bezug mehr zur Musik haben und diesem Zustand möglichst entgegengewirkt werden soll.

Das Konzept, der Projektablauf und natürlich das musikalische Thema werden immer an die jeweiligen Gruppenteilnehmer angepasst. Der Ablauf eines solchen Musikprojekts ist jedoch immer ganz ähnlich:

  • Es besteht aus einer mehrtägigen Workshop-Serie.
  • Und endet mit einer meist öffentlichen Musikveranstaltung, an der alle Projektteilnehmer beteiligt sind.

Im Workshop-Alltag treffen die Profimusiker, also beispielsweise Orchester, Künstler, Komponisten und Dirigenten auf die jeweiligen (unmusikalischen) Teilnehmer und bringen ihnen ihre Musik auf ganz besondere Art nah. Die Musik soll gefühlt und verstanden werden, jeder Teilnehmer soll ein eigenes Gefühl für das Musikstück entwickeln können. Dafür ist es ganz wichtig, dass jeder Teilnehmer die Möglichkeit bekommt, die Musik selbst anzufassen, also verschiedene Musikinstrumente ausprobiert werden dürfen. Um die Musik und ihren Rhythmus ideal zu spüren, dürfen Bewegung und Tanz natürlich auch nicht fehlen.

Für das Konzert am Ende des Projektes ist es üblich, ein bestimmtes Musikstück in den Workshops einzustudieren. Die Teilnehmer können sich auf diese Art und Weise optimal mit den Musikinstrumenten vertraut machen und sich im Musikensemble einbringen. Im Verlauf des Projektes entwickeln sich vielleicht sogar neue Ideen, die die Profimusiker in der Zukunft selbst anwenden können. So erhalten beide Seiten die Chance, voneinander zu lernen.

 

Der Bernstein-Effekt – Klassikstars als Musikvermittler für Jugendliche
Cover Der Bernstein-EffektWas Bernstein mit seinen ‚Young People’s Concerts‘ begann, setzen Klassikstars heute fort mit ihren Besuchen in Schulen – und ernten als Musikvermittler bei klassikfernen Jugendlichen enormes Interesse. Diesen Bernstein-Effekt hat Tobias E. Mayer genauer untersucht. Zum Buch

Konzertpädagogik im Alltag

Die künstlerische Musikvermittlung trifft man überwiegend bei Orchestern, in Theatern und Opernhäusern, in Konzerthäusern, auf Musikfestivals, bei freien Musikern oder auch in Musikhäusern.

Im Land Niedersachen gibt es beispielsweise einen eigenen „Dienst für Musikvermittlung“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat: „(…) Den verschiedenen Zielgruppen neue Zugänge zu vielfältigen musikalischen Genres zu ermöglichen.“

Alle zwei Jahre vergibt der Dienst sogar in Kooperation mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung den Förderpreis Musikvermittlung. Dieser Förderpreis hat das Ziel, Initiativen und Projekte im Bereich Musikvermittlung und Konzertpädagogik in Niedersachsen anzuregen und zu fördern.

Im Jahr 2017 wurde der Preis zum fünften Mal vergeben. Zu den glücklichen Gewinnern zählen insgesamt fünf Preisträgerinnen und Preisträger, die gemeinsam ein Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro erhielten.

Balkan Impressionen – Ein Preisträger aus dem Jahr 2013

Noten zum Nachsingen

Das musikalische Thema des Musikprojektes sollte ein wenig an die Vorlieben und Fähigkeiten der jeweiligen Gruppenteilnehmer angepasst werden. Zwar sollen den Teilnehmern im Workshop neue Musikrichtungen/Musikensembles vorgestellt werden, allerdings steht das positive Vermitteln und Begeistern für die Musik im Vordergrund.

Planen die Musiker beispielsweise ein Projekt mit Kindern, sollten leicht verständliche Noten und einfach umzusetzende Musikstücke ausgewählt werden.

In unserem Shop finden sich die richtigen Noten für jedes Projekt und jede Altersgruppe!

Für ein Musikprojekt mit Schülern eignet sich beispielsweise das Liederbuch „Top Hits of Rock & Pop“.

Weitere Literatur zur Musikvermittlung

Musizierende können zwar ganz wunderbar mit ihren Musikinstrumenten umgehen und die Liebe zur Musik bestmöglich weitergeben, dennoch fehlt es ihnen meist an Pädagogik-Erfahrung. Um dem entgegenzuwirken, können wir diese Bücher empfehlen:

Instrumentenkunde – Die Instrumente des Orchesters im Unterricht

Cover In strumentenkundeDie ideale Grundlage für einen gelungenen Unterricht zum Thema „Instrumente“: Übersichtliche Schaubilder, informative Basistexte sowie auch interessante Zusatzbemerkungen verbinden sich zu einer lebendigen Vorstellung der Instrumente eines klassischen Orchesters. Klar strukturierte Arbeitsblätter bieten Basis-Material für den Musikunterricht; Übersichten zu den Hauptgruppen – Holzbläser, Blechbläser, Schlagwerk, Saiteninstrumente, Sonderinstrumente und Dirigent – vermitteln dabei übergreifendes Wissen. Zum Heft

Große Komponisten – Eine unterhaltsame Einführung in Leben und Werk

Cover Große KomponistenDie farbig illustrierte Kopiervorlagensammlung enthält Spiel-, Rätsel- und Aufgabenseiten für Kinder ab 7 Jahren. Diese sind auf der beiliegenden CD mit altersgerechten Hörspielszenen zu acht berühmten Meistern der Musikgeschichte (Vivaldi, Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann) verknüpft. Die kompakten Lehrerkommentare bieten interessante Zusatzinformationen und didaktische Impulse. Zum Buch

Noch mehr Bücher und Unterrichtsmaterial zur Musikerziehung finden Sie natürlich in unserem Shop.


Bildernachweis:
Titelcollage: links: ©DaCapo/Nawrathr; rechts: © istock/monkeybusinessimages

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