Henle Horizons

Wer zu einer Henle-Ausgabe greift, greift in der Regel zu Blau. Der blaue Umschlag steht seit Jahrzehnten für Urtext, also für einen Notentext, der der Fassung des Komponisten so nahe wie möglich kommt. Im Herbst 2026 erhalten diese Ausgaben Gesellschaft: Mit Henle Horizons hat der Münchner G. Henle Verlag ein neues Imprint im orangefarbenen Umschlag eingeführt. Die ersten Titel sind seit September 2026 erhältlich.

Was Horizons von Urtext unterscheidet

Horizons umfasst drei Bereiche. Dazu gehören Entdeckungen, die das Repertoire bereichern, Arrangements bekannter Werke für andere Besetzungen sowie Studien für Orchesterinstrumente und pädagogisch ausgerichtete Literatur. Die Reihe beginnt mit Ausgaben für Klavier, für Streicher und für Streicherkammermusik mit und ohne Klavier. Editionen für alle klassischen Instrumente sollen folgen.

Beim Vergleich mit den blauen Bänden lohnt ein genauer Blick. Auch Horizons-Ausgaben beruhen auf sorgfältiger quellenkundlicher Basis, enthalten Fußnoten und bei Bedarf Ausklappseiten. Notensatz, Papier und Bindung entsprechen dem gewohnten Henle-Standard. Das Vorwort ist jedoch kompakt gehalten und erscheint auf Deutsch und Englisch. Die ausführlichen „Bemerkungen zum Notentext“ der Urtext-Ausgaben entfallen, und Fingersätze sind nur teilweise enthalten.

Für die Auswahl ist ein Punkt besonders wichtig: Bei einer Bearbeitung erwerben Sie die Fassung eines bestimmten Arrangeurs. Im Falle von Horizons sind das häufig prominente Musiker wie Joseph Joachim, Shai Wosner oder Frank Peter Zimmermann. Die Angabe des Bearbeiters verdient daher Beachtung.

Klavier solo

Die Serenata andaluza von Manuel de Falla entstand um 1900. Sie verbindet spanisch inspirierte Melodik mit andalusischen Rhythmen und eignet sich für fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler.

Manuel de Falla: Serenata andaluza

Deutlich anspruchsvoller ist die Klaviersonate fis-Moll op. 81 von Johann Nepomuk Hummel, einem der berühmtesten Pianisten seiner Zeit. Die Sonate verbindet klassische Form mit romantischer Ausdruckskraft. Der Verlag hat ihren Notentext von verbreiteten Fehlern bereinigt.

Johann Nepomuk Hummel: Klaviersonate fis-moll op. 81

 

Ein Hinweis für den Klavierunterricht: Burgmüllers 25 Etüden op. 100 sind ebenfalls neu erschienen, allerdings als blaue Urtext-Ausgabe. Mit ihnen beginnt die Reihe „Etüden und leichte Unterrichtsliteratur – Klavier“.

Duos mit Klavier nach Instrument

Violine: Im Mittelpunkt stehen die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms in der Bearbeitung seines Freundes Joseph Joachim. Erhältlich sind ein Gesamtband mit allen 21 Tänzen sowie Einzelausgaben der Nummern 1, 4, 5 und 6. Für ein einzelnes Vorspiel genügt meist eine Einzelausgabe, für ein feststehendes Duo ist der Gesamtband die wirtschaftlichere Wahl.

Johannes Brahms: 21 Ungarische Tänze

Hinzu kommen bekannte Konzertstücke: Montis Czardas in der Originalfassung für Violine und Klavier, Massenets Méditation aus „Thaïs“ in der Bearbeitung von Martin Pierre Marsick, Hubays Carmen-Fantaisie brillante, Ysaÿes Caprice nach der „Étude en forme de Valse“ von Saint-Saëns sowie die Suite populaire espagnole von Paul Kochanski nach Fallas „Siete canciones populares españolas“.

Vittorio Monti: Czardas

 

Jules Massenet: Méditation aus „Thaïs“

Für den Fortgeschrittenenunterricht bieten sich Carl Bohms Vier Vortragsstücke an, ausgewählt und mit Fingersätzen versehen von Evelyne Grüb-Trauer. Schuberts Variationen über „Trockne Blumen“ D 802 waren ursprünglich für Flöte und Klavier bestimmt. Frank Peter Zimmermann hat sie für Violine eingerichtet.

Carl Bohm: 4 Vortragsstücke

 

Franz Schubert: Variationen über „Trockne Blumen“ e-moll op. post. 160 D 802

Viola: Beethovens Notturno D-Dur op. 42 ist eine Bearbeitung seiner Serenade op. 8 für Streichtrio, die für Viola und Klavier eingerichtet wurde. Die Bearbeitung entstand zu Beethovens Lebzeiten und wird Franz Xaver Kleinheinz zugeschrieben.

Ludwig van Beethoven: Notturno D-dur op. 42

Violoncello: Nikolai Mjaskowski schrieb seine Sonate Nr. 2 a-Moll op. 81 im Jahr 1949 auf Anregung des damals 21-jährigen Mstislaw Rostropowitsch. Dieser brachte das Werk am 5. März 1949 in Moskau zur Uraufführung.

Nikolai Mjaskowski: Sonate Nr. 2 a-moll op. 81

Kontrabass: Rachmaninows Vocalise op. 34 Nr. 14 erscheint in der Bearbeitung von Serge Koussevitzky, die 1915 mit Zustimmung des Komponisten entstand. Die Fingersätze stammen von Tobias Glöckler. Die Ausgabe enthält die Kontrabassstimme in Solo- und Orchesterstimmung sowie die Klavierstimme in h-Moll und a-Moll.

Sergei Rachmaninow: Vocalise op. 34 Nr. 14

Streicherduos und Trios

Für Violine und Violoncello liegt Halvorsens Passacaglia nach Händel in der Bearbeitung von Mikhail Press vor. Sie ergänzt die Urtext-Ausgabe für Violine und Viola. Erwin Schulhoffs Duo von 1925 verbindet dissonante Moderne mit Elementen aus Jazz und Dada. Es erscheint in zwei Spielpartituren, die jeweils die Stimme des Partners im Kleinstich enthalten.

Johan S. Halvorsen: Passacaglia nach Händel

 

Erwin Schulhoff: Duo

Für Klaviertrio bietet Shai Wosner unter dem Titel „Beethoven For Three“ eine Bearbeitung von Beethovens 6. Symphonie „Pastorale“. Emanuel Ax, Leonidas Kavakos und Yo-Yo Ma haben sie 2022 eingespielt.

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 6 F-dur op. 68

Joaquín Turinas „Círculo …“ op. 91 folgt in drei Sätzen dem Lauf eines Tages. Die Ausgabe stützt sich auf Erstausgabe und Autograph. Für die seltene Besetzung Violine, Viola und Klavier gibt es das Trio fis-Moll op. 115 von Robert Fuchs, einem Lehrer von Mahler, Strauss und Wolf, in dessen Musik die Nähe zu Brahms deutlich hörbar ist.

Robert Fuchs: Trio fis-moll op. 115

Ausblick

Die Herbst-Vorschau des Verlags kündigt bereits weitere Titel an, darunter Regers Trio h-Moll op. 2 für Violine, Viola und Klavier, Hummels Klaviertrio Es-Dur op. 12 sowie mehrere Bearbeitungen für Violoncello von Jean-Guihen Queyras und Alexandre Tharaud. 2027 sollen die Orchesterstudien für Streichinstrumente folgen.

Sämtliche lieferbaren Ausgaben des Imprints Henle Horizons finden Sie in unserem Shop.