Musikgeragogik – Musik für und mit Senioren

Musikpädagogik
Musikgeragogik - Musik für und mit Senioren

Unter Musikpädagogik, also dem Musizieren mit dem Hintergrund der Erziehung junger Menschen, kann sich jeder etwas vorstellen. Die Musikgeragogik hingegen wurde in den letzten Jahren zwar immer populärer, ist aber trotzdem noch weitläufig unbekannt.

Wir erklären Ihnen, was es mit der Musikgeragogik auf sich hat, warum diese so schön und wichtig ist und wie die Fachdisziplin im Alltag angewandt werden kann.

Was ist Musikgeragogik?

Die Musikgeragogik beschäftigt sich mit der musikalischen Bildung und musikbezogenen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen im Alter. Anders als bei der Musikpädagogik geht es bei der Geragogik jedoch nicht darum, Senioren ein Musikinstrument oder Lied perfekt beizubringen. Bei der Musikgeragogik stehen alleine der Spaß und das Vermitteln eines guten Lebensgefühls im Vordergrund.

Wirkung von Musik im Allgemeinen

Musik hat auf jeden Menschen einen ganz besonderen Einfluss. Wenn wir Musik hören, werden Gefühle in uns ausgelöst – Trauer, Glück, Freude, Wut, Motivation… Musik ist also nicht nur bloß irgendein Ton für unsere Ohren, im Gegenteil: Wenn wir Musik hören, wird unser Körper und unser Geist spürbar beeinflusst.

Kanadische Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass unser Belohnungssystem im Hirn angesprochen wird, wenn wir Musik schön finden. Wenn wir Musik hören, die wir mögen, hat dies einen ähnlichen Effekt für unser Gehirn wie beispielsweise Rauschmittel oder leckeres Essen.

Sie kennen sicherlich das Gefühl, bei ruhiger und ausgeglichener Musik auch selbst ganz automatisch ruhiger zu werden, oder? Das ist nicht nur Ihr Gefühl, sondern es passiert tatsächlich etwas in Ihrem Körper: Bei ruhigen und sanften Melodien schüttet die Nebenniere nämlich das Hormon Noradrenalin aus. Dieses Hormon ist dafür verantwortlich, dass Stresshormone herabgesetzt werden und unser Körper automatisch ruhiger wird.

Das Gegenteil ist bei aggressiver und schneller Musik der Fall: Hier schütten die Nebenniere und die Hypophyse das Stresshormon Adrenalin aus.

Musik im Alter

Wir haben bereits gelernt, dass Musik auf jeden von uns einen ganz besonderen Einfluss hat. Auch und gerade Senioren können von der Schönheit der Musik profitieren.

Schon lange ist bekannt, dass Musik eine positive Wirkung auf Demenzkranke hat. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten belegen, dass aktives Musizieren die Vernetzung der Nervenzellen spürbar fördert. Dadurch wird dem Verfall und Verlust von Nervenzellen entgegengewirkt, sodass eine der typischen Folgen von Demenz positiv beeinflusst wird.

Natürlich ist das Musizieren auch für (weitestgehend) gesunde ältere Menschen wunderbar. Gerade das gemeinsame Singen macht (fast) allen Senioren Spaß. Außerdem werden durch schöne Musik die Gemüter aufgefrischt, es werden Erinnerungen an längst vergessene Tage geweckt…

Das Angebot der Musikgeragogik in Anspruch nehmen

In vielen Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen gibt es bereits regelmäßig musikalische Angebote für die Heimbewohner. Gemeinsame Musikabende sind hier keine Seltenheit. Um den musikalischen Anforderungen gerecht zu werden, haben viele Seniorenheime sogar schon Musiktherapeuten eingestellt. Außerdem liefern ehrenamtlich engagierte Musikgruppen oder Einzelpersonen den älteren Menschen oft musikalische Darbietungen.

Aber auch für ältere Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, gibt es Angebote der Musikgeragogik. Viele gemeinnützige Verbände, wie beispielsweise die Begegnungsstätten vom Deutschen Roten Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt oder die Caritas-Kreisstellen richten Musikveranstaltungen für Senioren aus.

Und für Senioren, die aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit nicht an Musikveranstaltungen teilnehmen können, bieten Musikgeragogen auch musikalische Einzelbetreuungen als Hausbesuch an.

Mit Senioren musizieren

Möchte man mit älteren Menschen Musik machen, ist eine Sache ganz besonders wichtig: Der Spaß und das Wohlbefinden der Senioren stehen im Vordergrund! Es ist ganz egal, wie gut oder schlecht sie musizieren und es ist auch ganz egal, wie lange die Senioren dafür benötigen, ein Musikinstrument bedienen zu können. Wenn ein demenzkranker Mensch mit viel Anstrengung einen kleinen Teil einer Melodie hinbekommt, muss man sich wahrhaftig mit ihm freuen können.

Es gibt viele Möglichkeiten, mit Senioren zu musizieren. Die beste Option ist natürlich das gemeinsame Singen. Das macht den meisten älteren Menschen Spaß und ist relativ einfach umzusetzen. Außerdem kann das Singen auch demenzkranke Menschen, die kaum noch sprechen können, motivieren. Es passiert nicht selten, dass sich das Gehirn an altbekannte Liedtexte erinnert und plötzlich wieder bereitstellen kann.

Am meisten Spaß macht das Singen natürlich, wenn es eine musikalische Besetzung gibt. Hier bieten sich beispielsweise CDs zum Mitsingen oder einfache Instrumente, wie die Gitarre oder Orff-Instrumente, an.

Auf diese Weise entsteht vielleicht auch eine kleine „Band“ am gemeinsamen Musikabend: Senioren, die nicht singen möchten, können für die verschiedenen Instrumente begeistert werden. Wer gerne singen möchte, singt. Und wenn der ein oder andere Senior nur gerne zuhören und den Moment als Zuschauer genießen möchte, kann er das ebenfalls machen.

Ganz wichtig: Alles kann, nichts muss.

CDs zum Mitsingen

Im Alter haben die Menschen bereits viele verschiedene Musikrichtungen kennen und lieben gelernt. Auf den Geschmack der jeweiligen Gruppenmitglieder sollte in jedem Fall eingegangen werden, damit ein positives und schönes Gefühl vermittelt wird. Die individuelle Lieblingsmusik jedes Einzelnen kann dann nacheinander an den Musikabenden gespielt werden.

Zum Mitsingen eignen sich besonders deutsche Volkslieder. Diese Musikrichtung ist bei vielen Senioren beliebt und die Lieder sind meist schon aus Radio und Fernsehen bekannt. In unserem Shop finden Sie 80 der beliebtesten deutschen Volkslieder auf 2 CDs inklusive Liederbuch. Das Liederbuch ist in einer großen, gut lesbaren Schrift gedruckt, sodass es ideal zum Mitsingen für ältere Menschen geeignet ist.

Aber auch Musik aus längst vergessenen jungen Tagen lässt die Gemüter der Senioren aufheizen. Zu Rock und Pop-Musik kann man wunderbar auf einfachen Musikinstrumenten mitspielen und – trällern. Und wenn das Englisch der Senioren dabei nicht ganz so perfekt ist oder sogar eine fiktive Sprache daraus entsteht, bereitet das dem Spaß auch keinen Abbruch. Das Gesangsbuch „Das Fetenbuch für Alt und Jung – XXL“ enthält 100 Songs aus Pop, Rock, Schlager und Volksmusik. Es eignet sich sehr gut zum gemeinsamen Singen mit einfacher Gitarrenbegleitung – so wird der gemeinsame Musikabend vielleicht noch zu einem kleinen Partyabend.

Musikliteratur für Angehörige und Pflegende hochbetagter und demenzkranker Menschen

Sehr empfehlenswert sind die Bücher mit dazugehöriger CD von Waltraud und Christoph Borries „Hochbetagte und Menschen mit Demenz aktivieren.“ Die Bücher bieten Angehörigen und Pflegenden vielseitiges Material zur Aktivierung älterer Menschen. Hinzu kommen Anregungen für biografische Fragen und andere Hilfen, um an längst vergessen geglaubte Erinnerungen anzuknüpfen.

In unserem Shop finden Sie alle vier Teile des Bandes:

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