Instrument des Jahres 2016: Die Harfe

Instrumente

Das Projekt „Instrument des Jahres“

Unbeachteten Instrumenten zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen – das haben sich der Landesmusikrat Berlin und der Landesmusikrat Schleswig-Holstein auf die Fahnen geschrieben. Seit 2010 wählen sie daher alljährlich ein „Instrument des Jahres“.

Auf der Website des Landesmusikrats Berlin heißt es über das Projekt:

„Neugier und Aufmerksamkeit für diese Instrumente zu wecken, ihnen zu neuer Popularität zu verhelfen, ist das Ziel des Projekts ‚Instrument des Jahres‘. In vielfältigen Konzerten, Workshops und Veranstaltungen soll für die spezifischen Klangfarben, Spieltechniken, Feinheiten des Instruments begeistert und neugierig gemacht werden.“

2016 fiel die Entscheidung auf die Harfe.

Zu Unrecht unbeachtet: Die Harfe verdient mehr Aufmerksamkeit.

Zu Unrecht unbeachtet: Die Harfe verdient mehr Aufmerksamkeit.

Die Geschichte der Harfe

Die Harfe, wie wir sie heute kennen, gibt es seit dem Mittelalter. Ihre Wurzeln reichen jedoch viel weiter zurück: Bereits vor rund 5000 Jahren spielten die Menschen in Mesopotamien und im alten Ägypten auf harfenähnlichen Zupfinstrumenten.

Auch der biblische Hirtenjunge und spätere König David spielte auf der israelitischen Vorgängerin der Harfe, der Kinnor, wie das Alte Testament berichtet:

„Sooft nun der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde es Saul leichter und es ward besser mit ihm und der böse Geist wich von ihm“ (Sam, 16,23). An Davids Harfenspiel erinnert auch der beliebte Gospel-Song „Little David Play on Your Harp“.

Historische Darstellungen zeigen König David gern beim Harfenspiel.

Historische Darstellungen zeigen König David gern beim Harfenspiel.

Im Mittelalter kam die Harfe nach Europa. Besonders in Irland erfreute sie sich hoher Beliebtheit. Die sogenannte keltische Harfe oder Hakenharfe ist aus der irischen Folklore nicht wegzudenken. Sie ziert daher selbst die irische 1-Euro-Münze.

Die keltische Harfe, welche die irische Euro-Münze ziert, hat typischerweise eine gebogene Säule.

Die keltische Harfe, welche die irische Euro-Münze ziert, hat typischerweise eine gebogene Säule.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich die Harfe zu ihrer heute bekannten Form. Als „Erfinder“ der modernen Konzertharfe können die Franzosen Sébastien und Pierre Erard gelten, die um 1810 die Doppelpedalharfe schufen. Diese kann aus bis zu 2500 Einzelteilen bestehen.

Dank der verbesserten Technik erfreute sich die Harfe daraufhin immer größerer Beliebtheit:  Viele Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Wagner, Mahler oder Debussy schätzten sie als Orchesterinstrument. Seit dem 20. Jahrhundert wird sie außerdem zunehmend auch als Soloinstrument eingesetzt.

Berühmte Harfenklänge finden Sie beispielsweise in Friedrich Smetanas Stück „Die Moldau“ aus dem Orchesterzyklus „Mein Vaterland“ oder am Ende von  Richard Wagners „Rheingold“.

Die Harfe: Aufbau und Besonderheiten

Eine Konzertharfe, also eine moderne Doppelpedalharfe, ist folgendermaßen aufgebaut:

Inst des Jahres 16_01

Klassifizierung

Die Harfe gehört zu den Saiteninstrumenten (Chordophonen), genauer gesagt zu den Zupfinstrumenten, da bei ihr der Ton durch Zupfen (d.h. Anreißen oder Anschlagen) der Saiten erzeugt wird. Von anderen Zupfinstrumenten wie Laute und Zither unterscheidet sich die Harfe dadurch, dass ihre Saiten schräg oder senkrecht zur Resonanzdecke gespannt sind, während sie bei Laute und Harfe parallel zur Resonanzfläche liegen.

Diatonische und chromatische Stimmung

Es gibt zahlreiche Harfenvarianten. Grob lässt sich zwischen diatonisch und chromatisch gestimmten Harfen unterscheiden:

  • Diatonisch gestimmte Harfen verfügen über nur eine Reihe an Saiten und sind damit auf eine Tonart (meist Es-Dur) eingestimmt. Per Pedal kann zwischen den Tonarten gewechselt werden.
  • Die chromatisch gestimmten Harfen verfügen dagegen über mehrere Saiten-Ebenen; das Spiel auf chromatischen Harfen ist dadurch wesentlich anspruchsvoller.
Die gängigen modernen Harfen sind  diatonische Instrumente. Die chromatischen Harfenarten erfordern eine ganz eigene, komplexe Spielweise.

Die gängigen modernen Harfen sind diatonische Instrumente. Die chromatischen Harfenarten erfordern eine ganz eigene, komplexe Spielweise.

Klang-Eigenschaften

Der Klang der Harfe ist weit vielseitiger und dynamischer, als gängige Klischees vermuten lassen. Nicht nur hohe, helle und sanfte Töne, sondern auch dunkle und beinahe glockenartige Klänge lassen sich diesem Zupfinstrument entlocken.

Die Harfe ermöglicht eine vielseitige Spielweise: Sie kann zart angezupft, aber auch spitz oder hart angeschlagen werden. Der Klang der Harfe ist dabei so voll, dass er sich auch in Orchestern durchsetzen kann.

Schon gewusst?
Louisa ClargesDie Harfe wird heute vor allem mit weiblichen Spielerinnen in Verbindung gebracht: engelsgleiche Wesen mit langem Haar, die den Saiten sphärische Melodien entlocken. An diesem Klischee ist jedoch die adelige Salonkultur des 18. Jahrhunderts schuld, in der zunehmend Frauen die Harfe spielten. Dass das traditionsreiche Zupfinstrument durchaus „männlich“ sein kann, beweist der Star-Harfenist Xavier de Maistre in diesem Interview.

Die Besonderheiten der Harfe – aus der Sicht einer Harfenistin

Maria Graf, Professorin für Harfe an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, hat selbst als Elfjährige mit dem Harfenspiel begonnen. Sie ist die diesjährige Schirmherrin des Projekts „Instrument des Jahres“.

Der Klang der Harfe und ihr Charakter sind für mich das Besondere an diesem Instrument“, erklärt die Harfenistin. Die beruhigenden und berührenden Klänge der Harfe sind es ihrer Meinung nach, die den Menschen gerade „in unserer hektischen Zeit wohltun“.

Dennoch erlebt Graf „immer wieder Berührungsängste der Menschen mit der Harfe“. Deshalb erhofft sich die Harfenistin von der Wahl der Harfe zum „Instrument des Jahres“ „mehr Neugierde für unser Instrument und ein Jahr, in dem manches Vorurteil und Klischee ausgeräumt werden kann.“ 

Tipps rund um die Harfe

Abschließend haben wir für alle Harfenliebhaber und solche, die es werden wollen, einige Anregungen zum Thema Harfe zusammengestellt.

Harfen-Konzerte und -Kurse 2016

Wenn Sie sich gerne live vom besonderen und vielseitigen Klang der Harfe überzeugen wollen, besuchen Sie 2016 einfach ein Harfenkonzert. Termine finden Sie auf der Webseite instrument-des-jahres.de.

Auf der gleichen Seite finden Sie auch deutschlandweite Kurse für Harfe – vom Schnupper- bis zum Meisterkurs ist hier alles dabei.

Notentipps

Sie spielen selbst Harfe? Wenn Sie auf der Suche nach neuen Stücken für Harfe sind, sehen Sie sich in unserem Online Shop um. Bei alle-noten.de finden Sie eine große Auswahl an Noten für Harfe. Hier ein paar Inspirationen:

Inst des Jahres 16_06

Inst des Jahres 16_10

Inst des Jahres 16_03

Sie sehen, die Harfe ist unglaublich vielseitig. Für das Harfenjahr 2016 wünschen wir uns, dass dieses besondere Instrument viele neue Freunde findet!

 


Bildnachweis:
Beiragsbild: Logo „Instrument des Jahres“; Bild 1 (Harfenistin): © iStock/Minerva Studio; Bild 2 (König David): © iStock/HultonArchive; Bild 3 (Münze): © iStock/M2K7 Bild 4 (Aufbau Harfe): Martin Kraft (Wikimedia Commons);  Bild 5 (Harfe Saiten): © iStock/&#169 Peter Nguyen; Bild 6 (Frau an Harfe): © iStock/Georgios Kollidas

 

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