Ludovico Einaudi – Ein Portrait des italienischen Pianisten

Komponisten
Ludovico Einaudi komponiert

„Ein Musikstück sollte man wie ein gutes Glas Wein analysieren können. Beides sollte eine Welt für sich sein.”

Sagt Ludovico Einaudi. Er muss es wissen. Einaudi, einer der gefragtesten zeitgenössischen Komponisten und Pianisten, ist auch in der Welt des Weines zu Hause. Wohnt er doch im Piemont auf dem Weingut seiner Großeltern.

Wer ist dieser Mann, der mit seinen eindringlich-repetitiven Klanggemälden seit über 20 Jahren eine erstaunlich große Anhängerschar in seinen Bann schlägt? Ein Portrait.

Jugend und Ausbildung

Am 23. November 1955 kommt Ludovico Einaudi in Turin zur Welt, seine Familie gilt in Italien als sehr einflussreich. Der Vater Giulio Einaudi hatte bereits 1933 ein Verlagshaus gegründet, das später zu einer bedeutenden literarischen Institution in Italien heranwuchs. Einer der beiden Großväter war von 1948–1955 erster Staatspräsident Italiens nach dem 2. Weltkrieg, der andere Komponist und Dirigent. Die Musikalität wird Einaudi also in die Wiege gelegt, und bereits im Kindesalter bringt ihm die Mutter das Klavier als Instrument näher. Mit sechs Jahren erhält er den ersten Unterricht.

Neben dem Piano erlernt Einaudi auch das Gitarrespielen. Und in der Tat macht er seine ersten kompositorischen Gehversuche auf der Folk-Gitarre, ehe er sich für eine professionelle Ausbildung am Klavier entscheidet. Zunächst schreibt er sich am Turiner Konservatorium ein. Doch er will fort, will sich von der Prominenz der berühmten Familienmitglieder lösen.

Einaudi geht nach Mailand und studiert Komposition am Giuseppe-Verdi-Konservatorium. Dort wird er auch von Luciano Beri unterrichtet, einem der einflussreichsten Avantgarde-Komponisten des 20. Jahrhunderts. Neben musiktheoretischem Wissen vermittelt Beri seinem Schüler auch humanistische Werte und ermöglicht ihm die Aufführung erster Orchesterwerke. Im Jahr 1982 erhält Ludovico Einaudi ein Stipendium für das Tanglewood Music Center in Massachusetts.

Karriere und Werk

Nachdem er seine Studienzeit beendet hat, beschreitet Ludovico Einaudi in den 1980er Jahren zunächst den zu erwartenden Weg. Er schreibt kammermusikalische und weitere Orchesterwerke, in dieser Phase entstehen auch Ballettmusiken wie Sul Filo di Orfeo (1983) und Time Out (1988), das zugleich Einaudis erste Plattenveröffentlichung wird.

Prestigeträchtige Auftragsarbeiten für das amerikanische Tanglewood Festival, das Pariser IRCAM-Institut und die Zentrale Hochschule für Bildende Kunst in Peking weisen Einaudi den Weg in eine glanzvolle Karriere als klassischer Komponist. Doch bereits damals probiert er sich aus, indem er Crossover-Projekte in Angriff nimmt und Werke für Big-Band und Jazz-Band komponiert. Und spätestens als er für Andrea De Carlos 1988 erschienen Film Das große Geld (Treno di panna) den Soundtrack schreibt, wird deutlich: Dieser Komponist geht seinen eigenen Weg, abseits der üblichen Pfade der reinen Klassik.

Tatsächlich entwickelt sich Einaudi in den kommenden Jahren zu einem gefragten Film- und TV-Komponisten. Er schreibt die Musik zu Kinofilmen wie dem preisgekrönten This Is England, aber auch zu TV-Serien wie Dr. Schiwago. Nicht zu vergessen natürlich der internationale Kassenschlager Ziemlich beste Freunde (Intouchables), dessen Handlung erst durch Einaudis einfühlsam-kontemplative Filmmusik ihre berührende Wirkung voll entfalten kann.

 

Ludovico Einaudi zum Nachspielen
In unserem Shop finden Sie die Filmmusik zu Ziemlich beste Freunde von Einaudi zum Nachspielen. Neben den wunderschönen Klavierstücken von Ludovico Einaudi sind in diesem Songbook auch Songs von Terry Callier, George Benson und Nina Simone enthalten.

In den 1990er Jahren beginnt Einaudi, sich zunehmend auf das Soloklavier zu konzentrieren und entwickelt dabei seinen ganz eigenen Stil. Es ist jedoch nicht zu überhören, dass er sich dabei an Komponisten wie Eric Satie, Philip Glass und Didier Squiban orientiert. Mit dem 1996 erschienen Soloklavierzyklus Le Onde gelingt ihm der Durchbruch. Das Album platziert sich 1998 sogar in den britischen Popcharts.

 

Ludovico Einaudi zum Nachspielen
Cover "Le Onde"Die Noten zu Einaudis Le Onde finden Sie in unserem Online Shop in zwei Versionen: mit und ohne CD, auf der Einaudi alle Stücke selbst spielt.

Auf den folgenden Alben zeigt sich Einaudi experimentierfreudig. 1999 nimm er mit einer Vielzahl von Gastmusikern und Instrumenten die CD Eden Roc auf. Die ungeheure Bandbreite geht von der E-Gitarre bis zum armenischen Holzblasinstrument Duduk. Es folgen weitere Veröffentlichungen in ganz unterschiedlichen Besetzungen bis hin zum Orchester. Ein Höhepunkt dieser Schaffensphase ist sicherlich Einaudis Royal Albert Hall Concert, das 2010 als Doppel-CD und DVD erscheint.

 

Seine bisher letzte CD Elements hat Ludovico Einaudi im Jahr 2015 veröffentlicht. Auch diese zwölfteilige Suite ist wiederum opulent instrumentiert. Der Komponist verfeinert seine Komposition mit vielen verschiedenen Klangfarben vom elektrischen Piano bis zu Vibraphon und Kalimba, von Streicherarrangements bis hin zum Bass-Synthesizer. Sogar Kirchenglocken sind zu hören. Wie schaffenskräftig der heute 62-jährige immer noch ist, zeigt sich daran, dass er im gleichen Jahr noch ein zweites Album veröffentlicht, das Taranta Project.

 

Ludovico Einaudi zum Nachspielen
Cover "Elements"Möchten Sie die Stücke von Einaudis letzter CD Elements nachspielen? In unserem Notenshop finden Sie eine exklusive Klavierausgabe mit 12 Titeln des Albums, die in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten selbst entstand. Alle Songs sind von Einaudis Interesse am Erforschen verschiedener Wege inspiriert.

Die Musik von Ludovio Einaudi

„Als ob man versucht, einen Raum aufzuschließen und nicht weiß, welcher Schlüssel passt, so ist es beim Komponieren.“

So beschreibt Ludovico Einaudi selbst seine Arbeit. Und tatsächlich weiß man bei ihm nie, welchen Raum, welches musikalische Terrain, er als nächstes betreten wird.

Denn obwohl er seine Kindheit vorrangig mit klassischer Musik verbrachte und diese Richtung auch während seiner Ausbildung verfolgte, ist er doch eher ein Fusionist geworden. Und das in seinem ganz eigenen Sinne: Orchester- und Bühnenmusiken hat er ebenso geschaffen wie Soundtracks und Soloalben. Und selbst auf diesen spielt er mit verschiedensten Genres.

Nach seiner Ausbildung hätte Einaudi die kompositorischen Möglichkeiten gehabt, aus dem Vollen zu schöpfen und große Werke zu schaffen. Stattdessen entschied er sich für die Selbstbeschränkung und schaffte damit seine ganz persönliche Art von Minimal Music. Ein Begriff übrigens, den auch er selbst für seine Musik gelten lässt.

Was macht nun den Reiz von Ludovico Einaudis Kompositionen aus? Im Kern sicherlich die Tatsache, dass er in der Lage ist, mit nur wenigen Elementen ganze musikalische Welten zu errichten. Indem er sich wiederholende und überlagernde Patterns, wie sie in der Minimal Music häufig vorkommen, verwendet und übereinander schichtet, bekommt seine Musik Eindringlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes: Sie dringt in die Seele, in das Gefühlsleben des Zuhörers ein und setzt sich dort fest.

Ein weiterer Grund seines Erfolges ist, dass Einaudi formal auf Prinzipien von Popsongs zurückgreift. So besitzt das bekannte Stück Fly aus Ziemlich beste Freunde quasi eine Struktur aus Strophe und Refrain. Und ist somit im besten Mendelssohn-Bartholdyschen Sinne ein „Lied ohne Worte”.

Bei aller musikalischen Eigenständigkeit versteht Ludovico Einaudi seine Werke dennoch nicht als individuelle Leistung und sieht darin wiederum eine Parallele zum Weinbau:

„Beim Wein ist es die Erde auf der er angebaut wurde, die wesentlich ist, aber auch die Verfeinerungsarbeit, die die Menschen in ihn investieren. In der Musik ist es ähnlich. Auch wenn am Ende mein Name drüber steht, ist es im Grunde das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung.”

 

Ludovico Einaudi zum Nachspielen
Einaudi CovercollageIn unserem Notenshop finden Sie eine große Auswahl von Noten des italienischen Pianisten. Neben Klaviernoten finden Sie bei uns auch Spielbände für Cello, Gitarre, Violine, Flöte, Klarinette und Altsaxophon.

Bildnachweis:
Titelbild: © Ray Tarantino; Coverabbildungen: © alle-noten.de

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