Welche Weiterbildungen gibt es für Musiklehrer?

Fortbildungen
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Krise der musikpädagogischen Praxis

Traurig aber wahr: Musikunterricht verliert im schulischen Bereich zunehmend an Stellenwert. Musik ist schon längst kein Pflichtfach mehr und kann an vielen Schulen einfach abgewählt werden. Kein Wunder also, dass es aufgrund des sinkenden Bedarfs an Musikunterricht auch zunehmend an Lehrkräften fehlt.

Die Folge: Musikpädagogen sehen sich zunehmend unter Druck, einen Unterricht zu gestalten, der das Interesse an dem Fach bei den Schülern wieder steigen lässt. Immer mehr Musikpädagogen fixieren sich in ihren Unterrichtsinhalten daher vermehrt auf aktuelle Pop-Hits. Die Beliebtheit des Fachs Musik lässt sich dadurch zwar oftmals steigern, jedoch sorgt die Vernachlässigung klassischer Bildungsinhalte dabei gleichzeitig für einen einseitigen Musikunterricht, welcher der langen Tradition der Musikerziehung häufig nicht mehr gerecht wird.

Auch traditionelle Bildungsinhalte interessant vermitteln zu können – das ist eine der größten Herausforderungen der musikpädagogischen Praxis (© istock/monkeybusinessimages).

Auch traditionelle Bildungsinhalte interessant vermitteln zu können – das ist eine der größten Herausforderungen der musikpädagogischen Praxis.

Umso wichtiger ist in diesen Krisenzeiten die fachgerechte Weiterbildung von Musikpädagogen. Denn nur durch optimal ausgebildete Lehrkräfte kann der Musikunterricht nicht bloß erhalten, sondern vor allem auch innovativ gestaltet werden – ohne dabei jedoch traditionelle Inhalte der musikerzieherischen Praxis aus dem Auge zu verlieren.

Die Devise der modernen Musikpädagogik heißt also: Die Balance finden zwischen Tradition und Innovation!

Vorteile einer Fortbildung

Die Gründe, die für eine musikpädagogische Weiterbildung sprechen, liegen auf der Hand. Sie leisten damit nicht nur einen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der musikpädagogischen Praxis, sondern erweitern damit zugleich Ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten:

  • Sie erhalten berufspraktische Ergänzungen zur Erstausbildung.
  • Sie erreichen eine Qualitätsverbesserung ihrer didaktischen Kompetenzen und erhöhen Ihre Handlungssicherheit in Ihrem jeweiligen musikalischen Fach.
  • Sie erreichen und sichern professionelle Standards.
  • Sie erweitern Ihre Möglichkeiten, den Unterricht zeitgemäß und innovativ zu gestalten.
  • Sie erhalten Möglichkeiten der Vernetzung im Handlungs-und Berufsfeld.
  • Sie verbessern Ihre Marktchancen (v.a. im beruflichen Arbeitsmarkt).

Themenbereiche der Weiterbildung

1. Musikalisch-künstlerische Kompetenzen

In diesem Bereich werden sowohl Anfänger- als auch Meisterkurse angeboten. Dementsprechend fällt auch das Kursniveau aus. Für bereits ausgebildete Musikpädagogen bieten sich die Meisterkurse an, die sich meist einem bestimmten Instrument oder der Ausbildung des Gesangs widmen. In manchen Fällen werden die Kurse auch für Ensembles in Kammermusikbesetzung durchgeführt.

2.Wissenschaftliche und künstlerisch-wissenschaftliche sowie pädagogische Kompetenzen

Diese Kompetenzbereiche werden vor allem in Kongressen, Tagungen und Symposien vermittelt. Tagungen wie jene von der Gesellschaft für Musikforschung (GfM) oder des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung widmen sich dabei der Weiterentwicklung und internationalen Präsentation des Fachs auf professioneller Basis.

Mehrtägige Kongresse, wie zum Beispiel die der musikpädagogischen Verbände, bieten meist mehrere Workshops an, in denen theoriegeleitete Positionen mit Angeboten für die Praxis verbunden werden. Bei den Angeboten der Schulmusikverbände werden außerdem zusätzlich pädagogische Kompetenzen vermittelt.

Um Musiktheorie ansprechend und zielführend zu vermitteln, sind gut ausgebildete didaktische Fähigkeiten von oberster Priorität (© istock/Minerva Studio).

Um Musiktheorie ansprechend und zielführend zu vermitteln, sind gut ausgebildete didaktische Fähigkeiten von oberster Priorität.

3. Organisations-und Selbstmanagementkompetenzen

Fachwissen im Bereich Organisation und Management gewinnt auch im Bereich der musikpädagogischen Berufe zunehmend an Relevanz. Eine Vielzahl von Veranstaltern, wie zum Beispiel die Verbände des Laienmusizierens, bieten mittlerweile Fortbildungen an, in denen Themen wie Vereinsführung, Verwaltung und Finanzmanagement behandelt werden.

4. Produktionstechnische Kompetenzen

Die Digitalisierung erfordert technische Innovationen auch in der Musikpädagogik. Gleichzeitig entstehen durch den digitalen Wandel viele neue Möglichkeiten der Musikvermittlung, die es auszuschöpfen gilt. Dazu bedarf es eines umfassenden Verständnisses nicht nur für die Nutzung neuer Medienformen, sondern auch für deren effektiven Einsatz.

So beschäftigen sich viele Kurse mittlerweile mit der innovativen und kreativen Gestaltung des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen mithilfe des Einsatzes von Smartphones und Tablets.

Neue Medienformen eröffnen viele neue Möglichkeiten der Musikvermittlung (© istock/DGLimages).

Neue Medienformen eröffnen viele neue Möglichkeiten der Musikvermittlung.

Unsere Auswahl: 3 Weiterbildungsstätten in Deutschland

Ob Fortbildungseinrichtungen, Musikhochschulen oder auch Volkshochschulen – unzählige öffentlich geförderte Institutionen bieten Weiterbildungsprogramme für Musikpädagogen an. Wir zeigen Ihnen drei renommierte Bundesakademien, die sich vor allem durch ihren hohen Anspruch und ihre interdisziplinäre Vielfalt auszeichnen:

1. Akademie Remscheid

Schwerpunkte

Die Akademie Remscheid vereint insgesamt zehn Praxisfelder, unter anderem auch Musik, Rhythmik und Tanz. Weiterbildungen werden dort vor allem für Fachkräfte der Jugend-, Sozial-, Bildungs- und Kulturarbeit mit Schwerpunkt auf der kulturellen Kinder-und Jugendarbeit angeboten.
Zudem legt die Akademie einen besonderen Schwerpunkt auf eine intensive, interdisziplinäre Qualifizierung in Musik- und Bewegungspädagogik. Die Teilnehmenden lernen dabei, praxisorientierte Arbeitsweisen methodisch-didaktisch zu entwickeln und diese ebenso ihren Schülern zu vermitteln.

Weiterbildungs-Programm

Das Fortbildungsprogramm der Akademie Remscheid gliedert sich in vier unterschiedliche Veranstaltungsformen:

  1. Werkstattkurse: Hierbei handelt es sich um meist fünftägige, in sich abgeschlossene einphasige Veranstaltungen.
  2. Interdisziplinäre Angebote: Durchgeführt von zwei oder mehreren Fachbereichen behandeln diese meist ein fachübergreifendes Thema.
  3. Mehrphasige Fortbildungen: Diese bauen aufeinander auf und werden berufsbegleitend absolviert.
  4. Qualifizierungen: Dabei handelt es sich um mehrphasige Fortbildungen, die auf Grundkursen aufbauen und zusätzliche Leistungen erfordern (z.B. eine Abschlussarbeit).
Die Kombination aus Musik, Rhythmik und Tanz auf der Akademie Remscheid gewährleistet eine Fortbildung mit interdisziplinärem Anspruch (© istock/Highwaystarz-Photography).

Die Kombination aus Musik, Rhythmik und Tanz auf der Akademie Remscheid gewährleistet eine Fortbildung mit interdisziplinärem Anspruch.

2. Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Schwerpunkte

Praxisnahe berufliche Fort-und Weiterbildung mit interdisziplinärem Anspruch bietet die Bundesakademie Wolfenbüttel an. Das Programm umfasst insgesamt sechs Bereiche: Musik, Bildende Kunst, Darstellende Künste, Kulturmanagement/-politik/-wissenschaft, Literatur und Museum.

Weiterbildungs-Programm

Es werden sowohl einzelne als auch mehrteilige berufsbegleitende Fortbildungen mit Zertifikatsabschluss angeboten. Ebenso können auf Wunsch maßgeschneiderte Fortbildungs- und Beratungsangebote entwickelt werden. Weiterhin bietet die Bundesakademie Tagungen an, die eine Plattform für den kulturpolitischen und kulturfachlichen Austausch bieten.

3. Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen

Schwerpunkte

Die Bundesakademie Trossingen ist das Fortbildungsinstitut bundeszentraler Verbände der außerschulischen Musikerziehung und Musikpflege und damit öffentlich anerkannter Träger. Ihr Schwerpunkt liegt besonders auf Aufgaben der Jugendhilfe und-pflege auf musikalischem Gebiet.

Weiterbildungsprogramm

Die Fortbildungsformate der Akademie umfassen:

  1. Berufsbegleitende Lehrgänge: Diese umfassen vier bis sieben einwöchige Akademiephasen mit dazwischenliegenden Praxisphasen. Die Gesamtdauer der Lehrgänge beträgt ein bis zwei Jahre.
  2. Berufsbegleitende Fortbildung: Hier werden vorwiegend aktuelle musikpädagogische Themen behandelt. Der Vorteil liegt zudem in der idealen Verknüpfung von Theorie und Praxis.
  3. Seminare/Workshops/Symposien: Hier werden bereits erworbene Kenntnisse aktualisiert und erweitert. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung neuer musikpädagogischer Aspekte.
  4. Internationale Begegnungen und Arbeitstagungen: Dienen der Vernetzung und werden von Mitgliedsverbänden der Bundesakademie durchgeführt.
Die Bundesakademie Trossingen widmet sich vor allem der außerschulischen Musikerziehung, wie im Bereich der Jugendhilfe (© istock/monkeybusinessimages).

Die Bundesakademie Trossingen widmet sich vor allem der außerschulischen Musikerziehung, wie im Bereich der Jugendhilfe.

Neben einer Weiterbildung sind natürlich auch gute Lehrmaterialien unerlässlich für eine qualitativ hochwertige Musikpädagogik und Didaktik. Diese finden Sie in unserem umfangreichen Sortiment an musikpädagogischen Lehr-und Musikbüchern.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Fortbildung!

 


Bildnachweise:
Bild 1: © istock/omgimages, Bild 2: © istock / monkeybusinessimages, Bild 3: © istock/Highwaystarz-Photography, Bild 4: © istock/Minerva Studio, Bild 5: © istock/DGLimages, Bild 6: © istock/Highwaystarz-Photography, Bild 7: © istock/monkeybusinessimages

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