Finanzierung & Marketing für Chöre und Orchester (Teil 2/3): Fördermittel für Chöre und Orchester

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Fördermittel für Chöre und Orchester

Im zweiten Teil unserer Serie „Finanzierung & Marketing für Chöre & Orchester“ erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, Fördermittel für Chöre und Orchester zu erhalten. Im Interview verrät Fördermittel-Experte Torsten Schmotz, wie Sie strategisch am geschicktesten vorgehen.

Vorab: Musikförderung in Deutschland

Die schlechte Nachricht vorab: Wegen der kompliziert wirkenden Strukturen bewirbt sich nur ein Bruchteil der Musikvereine und -gruppen um Fördermittel für Chöre und Orchester. Die gute Nachricht hingegen: In Deutschland gibt es weitaus mehr Fördermöglichkeiten für Musikvereine, als man vielleicht denkt. Sie werden sehen: Bei einem genaueren Blick zeigt sich, dass der Fördergeld-Dschungel  weitaus weniger wild ist, als er zunächst scheint.

Deshalb haben wir den Fördermittel-Experten Torsten Schmotz zum Thema Fördermittel für Chöre und Orchester befragt. Dabei haben wir sowohl aufschlussreiche als auch nützliche Antworten und Tipps erhalten, die Sie für Ihr Ensemble nutzen können.

Fördermittel für Chöre und Orchester: Experte Torsten Schmotz im Interview

Torsten Schmotz
Fördermittel-Experte Torsten SchmotzFördermittel-Experte Torsten Schmotz ist Diplom-Kaufmann (Univ.). Er verfügt über mehr als sechzehn Jahre Erfahrung in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung, Fördermittelakquise und Fundraising. Seine Agentur Förderlotse hat sich in den letzten sieben Jahren als unabhängiger Dienstleister auf die Fördermittelakquise für gemeinnützige Organisationen spezialisiert. Sie berät sowohl große Sozialunternehmen und Verbände wie auch kleine ehrenamtliche Initiativen beim strategischen Einwerben von Antragsmitteln. Als Hochschuldozent an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und am Management Center Innsbruck gibt Torsten Schmotz in Seminaren und Workshops sein Wissen mit großer Begeisterung weiter. Als Herausgeber und Autor hat er sechs Fachbücher zum Thema Fundraising und Fördermittelakquise veröffentlicht.

alle Noten: Herr Schmotz, Sie sammeln seit vielen Jahren wertvolle Erfahrungen im Bereich Fördermittelakquise. Hierbei beraten Sie verschiedenste Initiativen. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der Musikförderung in Deutschland ein?

Torsten Schmotz: Die Förderung von Kultureinrichtungen und -angeboten hat in Deutschland eine lange Tradition. Musikangebote haben meist eine breite Öffentlichkeitswirkung und ein sehr gutes Image. Das macht diesen Bereich für öffentliche und private Förderer nach wie vor sehr interessant. Es gibt Chöre und Orchester, die sind hervorragend mit Förderern und Sponsoren vernetzt und schaffen es regelmäßig hohe Fördersummen einzuwerben. Kulturförderung heißt daher immer intensive Netzwerk- und Lobbyarbeit. Für viele Einrichtungen ist der Aufwand außerhalb des künstlerischen Felds aber zu aufwendig und der Förder-Dschungel zu unübersichtlich. Diese profitieren leider nicht von den zahlreichen Finanzierungsmöglichkeiten.

Wie unterscheiden sich musikalische Förderprogramme von anderen, wie etwa sozialen Fördermöglichkeiten?

Die Kulturförderung ist vor allem lokal und regional geprägt. Die meisten Förderer konzentrieren sich auf Aktivitäten im direkten örtlichen Umfeld. Damit sind die Fördermöglichkeiten in finanzkräftigen Metropolen meist deutlich besser als in wirtschaftsschwachen ländlichen Regionen. Andererseits ist die Wettbewerbssituation in den Metropolen häufig um einiges härter. Die Chancen auf Fördermittel für Chöre und Orchester erweitern sich jedoch meist deutlich, wenn man bestimmte Zielgruppen in die Kulturarbeit integriert. Verfolgt ein Ensemble zum Beispiel das Ziel Kinder und Jugendliche, benachteiligte, behinderte Menschen oder Flüchtlinge zu unterstützen, erweist sich das häufig als hilfreich. Weitere Ziele können Bildung, Völkerverständigung oder internationaler Austausch sein.

Fördermittel für Chöre und Orchester durch Kommunen
Kommunale Fördermittel für Chöre und Orchester bieten Ensembles die höchsten Chancen auf eine projektbezogene Förderung. Denn sie werden schneller und leichter bewilligt als diejenigen höherer Ebenen. In Deutschland erfolgen mehr als 50 Prozent der Fördermittelvergabe durch Gemeinden. Zuschüsse können von Kommunen zwar bewilligt werden, im Falle knapper Kassen können sie jedoch geringer ausfallen oder müssen gar nicht erfolgen. Kulturbüros beraten Vereine bei Fördermittel-Anträgen. Zudem stellen sie alle notwendigen Informationen zu den jeweiligen Voraussetzungen und Bedingungen für kommunale Fördermittel bereit. Auch Anträge werden dort gestellt, teilweise stehen auch Formulare auf den jeweiligen Websites der Büros zum Download bereit.
Notenblatt

Musikförderung in Deutschland hat eine lange Tradition.

In welchem Umfang können Ensembles von den Fördermöglichkeiten durch Institutionen profitieren?

Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: In meiner direkten Nachbarschaft hat der international bekannte Windsbacher Knabenchor sein Chorzentrum saniert. Die Kosten in Millionenhöhe wurden dabei bezuschusst. Unter anderem beteiligten sich Institutionen wie der Kulturfonds Bayern, die Regierung von Mittelfranken, die Ev.-luth. Kirche in Bayern, die Sparkasse Mittelfranken, die Stiftung Nürnberger Versicherung oder die Tucherﹸschen Kulturstiftung. Für unsere regionale Musikschule hat eine Gemeinde einen Konzertflügel im kommunalen Kultur- und Gemeindezentrum gefördert. Der Schulchor an unserem örtlichen Gymnasium hat sich an einem europäischen Partnerschaftsprojekt mit Dänemark und Ungarn beteiligt. Jede Schule bekam dafür eine Pauschalförderung von etwa 18.000 Euro.

Gibt es neben solchen projektbezogenen Fördermaßnahmen, wie sie die beschriebenen Beispiele zeigen, auch langfristige Fördermöglichkeiten?

Eine institutionelle Förderung von Chören und Orchestern ist eine ausgesprochene Herausforderung. Einrichtungen müssen einen exzellenten Ruf und eine überragende lokale, regionale oder überregionale Wirkung haben, um von Förderern strukturell unterstützt zu werden. Weitere Voraussetzung ist meist eine langjährige Partnerschaft.

Deutlich besser sieht es bei den Fördermöglichkeiten von einzelnen Projekten aus: Ein einmaliger Zuschuss für eine Konzerttournee, ein musikalisches Projekt oder Sachinvestitionen, etwa in Musikinstrumente, sind deutlich leichter zu erhalten. Wahrscheinlich erfolgen 80 bis 90 Prozent aller Förderungen auf Projektbasis.

Gibt es Kriterien, auf die ich achten sollte, wenn ich einen Antrag auf Fördermittel für Chöre und Orchester stelle?

Jeder Förderer verfolgt eigene Förderziele. Der Kulturförderfonds einer Kommune oder einer Sparkasse möchte das Kulturleben in der eigenen Stadt unterstützen. Die Aktion Mensch fördert Musikprojekte für Menschen mit Behinderung. Die Schering Stiftung widmet sich dem Bereich der Neuen Musik oder die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung multikulturellen Musikprojekten für junge Menschen.

Förderung von Musikprojekten

Auch junge Gruppierungen haben gute Chancen auf Zuschüsse durch Fördermittel.

Fördermittel für Chöre und Orchester durch Bundesländer
Auf Länderebene entscheiden in der Regel die Kultusministerien über die Vergabe der Fördermittel für Chöre und Orchester. Zuschüsse können hier höher ausfallen als in Gemeinden, jedoch variieren die Zuwendungen je nach Landesbudget sehr stark. Anträge müssen je nach Bundesland bei den jeweiligen Kultus- oder Kulturministerien gestellt werden. Daher empfiehlt es sich zunächst bei den jeweiligen Ministerien zu erfragen, wie vorzugehen ist.

Unter Umständen verweisen Ministerien an die regionalen Chorverbände weiter, welche ihre Mitglieder bei der Vereinsarbeit und bei der Durchsetzung ihrer Forderungen in der Politik unterstützen. Ein Verbandsbeitritt lohnt sich durchaus, denn Mitgliedsvereine können Leiterlehrgänge und -fortbildungen, eine GEMA-Pauschale und auch Versicherungsschutz erhalten. Mitunter werden auch weitere Zuschüsse gewährt. Antragsformulare stellen die meisten Verbände auf ihren Websites zur Verfügung. Je nach Region können sich Laienchöre bei der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände (BDC) und dem Deutschen Chorverband e.V. über passende Landesverbände informieren, Amateurorchester hingegen bei der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO).

Welche Rolle spielt die Größe eines Ensembles oder die Organisation als Verein?

Ihr Projekt muss zu den Fördervorgaben der Förderinstitution passen. Die Größe spielt nur dann eine Rolle, wenn Sie für das Erreichen der Projektziele entscheidend ist.

Wie finden Chöre und Orchester den richtigen Förderer?

Ein sehr gutes Informationsmedium ist der Lokal- oder Regionalteil die Tagespresse. Dort wird fast täglich über Förderungen berichtet. Zudem finden sich im Netz zahlreiche Förderdatenbanken. Auf meinem Blog finden Sie unter https://blog-foerdermittel.de/internetverzeichnis/ ein Verzeichnis von über 120 Förderverzeichnissen. Zudem sind Links zu weiterführenden Informationen vorhanden. Das Meiste ist kostenlos nutzbar.

Wo liegen Unterschiede zwischen öffentlichen Förderungen und privaten Stiftungen?

Die Förderung durch die öffentliche Hand ist in der Antragstellung und Abrechnung meist bürokratischer und die Vorlaufzeiten sind meist deutlich länger. Häufig müssen Sie sich schon 12 Monate vor dem Beginn der Aktivitäten um die Antragstellung kümmern. Auf der anderen Seite ist die Summe der öffentlichen Förderungen deutlich höher als die von privaten Förderern und Stiftern.

Fördergelder für Laienmusiker

In Deutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Laienmusikensembles, an Fördergelder zu gelangen.

Unterscheiden sich größere und kleinere Förderer hinsichtlich Stärke oder Umfang der Förderung?

Es gibt in Deutschland tausende von Fördermöglichkeiten. Die Bandbreite der Themen und Fördersummen ist immens. Das Europäische Förderprogramm „Creative Europe“ fördert große Kooperationsprojekte mit mindestens sechs Kultureinrichtungen aus sechs europäischen Teilnehmerländern mit maximal zwei Millionen Euro und einer Zuschusshöhe von 50 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten. Eine örtliche Sparkasse spendet Ihnen für die Beschaffung von Instrumenten nur ein paar hundert Euro, übernimmt dafür aber die vollständigen Anschaffungskosten.

Worauf sollte man bei Anträgen um Fördermittel für Chöre und Orchester achten? Gibt es etwa rechtliche Grundlagen, die eingehalten werden müssen?

Fördermittel, egal ob von öffentlichen oder privaten Institutionen, müssen immer vor dem Maßnahmenbeginn beantragt werden. Eine rückwirkende Förderung ist meist ausgeschlossen. Das Vorhaben darf erst nach der Förderzusage gestartet werden. Rechnen Sie dabei mit einer Vorlaufzeit von einem halben Jahr.

Fördermittel für Chöre und Orchester durch Bund & Europäische Union
Auf Bundes- und europäischer Ebene werden Fördermittel für chöre und Orchester nur an Projekte vergeben, die einer gesamtstaatlichen beziehungsweise europaweiten Repräsentation dienen. So etwa in der auswärtigen Kulturpolitik. Im Fall der Bundesebene werden Förderanträge direkt an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, gestellt. Nähere Informationen zur Musikförderung durch den Bund finden Sie auf der Website der Bundesregierung und auf der Website der Förderdatenbank für Förderprogramme und Finanzhilfen. Auf europäischer Ebene werden Förderungen ausschließlich elektronisch über das Creative Europe Desk KULTUR beantragt. Antworten auf FAQs zu Voraussetzungen, Antragsstellung und sowie Kontaktdaten zu Ansprechpartnern finden Sie hier.

Kann es Gründe geben, die gegen eine Förderung durch Stiftungen oder Ähnliches sprechen?

Das Einwerben von Drittmitteln ist arbeitsintensiv. Wenn sich niemand verantwortlich darum kümmert, werden Sie keinen Erfolg haben. Verfügen Sie über einfachere Alternativen zur Finanzierung, etwa über Kontakt zu Sponsoren, sollten Sie diese zuerst nutzen. Sollte eine erfolgreiche Drittmittelgewinnung dazu führen, dass Ihre bisherigen Finanziers sich zurückziehen, ist das natürlich kontraproduktiv.

Mann sammelt Argumente für Musikförderung

Sich gute Argumente zu überlegen ist unverzichtbar, um potenzielle Förderer zu überzeugen.

Das richtige Profil scheint hinsichtlich der Fördermittel für Chöre und Orchester sehr wichtig zu sein. Können Förderer Ansprüche an die von ihnen geförderten Gruppen oder Projekte stellen und wie frei bleiben Chöre und Orchester dabei?

Die Rahmenbedingungen für eine Förderung werden meist im Zuge der Ausschreibung genau beschrieben. Der Förderer will, dass sein Zuschuss nur für das beantragte Vorhaben eingesetzt wird. Das muss mit einer Endabrechnung nachgewiesen werden. Welche weiteren Bedingungen zu erfüllen sind, werden im Fördervertrag oder im Zuwendungsbescheid festgelegt. Wenn Ihnen diese Bedingungen nicht entsprechen, sollten Sie nachverhandeln oder im Zweifelsfall die Förderung ablehnen.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, bei einem passenden Profil Fördermittel für Chöre oder Orchester zu erhalten? Macht es Sinn mich auch bei Förderinitiativen zu bewerben, deren Profilangaben oder Kriterien mein Chor oder Orchester nicht vollständig entspricht?

Das Profil ist sicher wichtig. Entscheidend ist aber, ob das konkrete Vorhaben zu den Zielen und Kriterien des Förderers passt. Es geht darum, seine geplanten Aktivitäten zu „verkaufen“. Der Förderer muss als eine Art Kulturinvestor den Eindruck gewinnen, dass Ihr Angebot genau auf ihn „maßgeschneidert“ wurde. Formale Kriterien spielen im Kulturbereich eher eine untergeordnete Rolle. Dadurch haben auch junge Träger eine Förderchance.

Wir bedanken uns herzlich bei Torsten Schmotz für das aufschlussreiche Interview und die wertvollen Tipps zur Fördermittelakquise!

Sollten nun noch Fragen zu Rechtsform oder Steuerpflicht bei der Finanzierung Ihrer musikalischen Initiative bestehen, können Sie sich im ersten Artikel unserer Serie „Finanzierung & Marketing für Chöre und Orchester“ zu Rechtsform & Steuerpflicht für Musikvereine informieren. Hier erhalten Sie konkrete Tipps, welche juristischen Rahmenbedingungen gelten und wie Sie steuerrechtlich geschickt vorgehen können.

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Bildnachweis:: Titelbild: gettyimages/AndreyBukreev, Bild 1: Torsten Schmotz (privat), Bild 2: gettyimages/Ryan McVay, Bild 3: gettyimages/Ghislain & Marie David de Lossy, Bild 4: gettyimages/dolgachov, Bild 5: gettyimages/Squaredpixels.

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