Verbandsarbeit zahlt sich aus: Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) im Interview

Interview

Die Union Deutscher Jazzmusiker vertritt als Musikverband die Interessen von Jazzmusikern in Deutschland. Wir wollten wissen, wie professionelle Musiker von der Mitgliedschaft in einem Verband wie der UDJ profitieren und haben uns mit Geschäftsführer Urs Johnen unterhalten, was er sich für die Jazzförderung in Deutschland wünscht.

Die Union Deutscher Jazzmusiker: Aufgaben und Ziele

Musikverbände agieren an der Schnittstelle zwischen Politik, Gesellschaft und Musikern. So bemüht sich auch die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) darum, dem Jazz in Deutschland mehr Präsenz und einen angemessenen Stellenwert zu verschaffen.

Verbandsarbeit seit über 40 Jahren

Seit ihrer Gründung im Rahmen des Marburger Jazzforums 1973 vertritt die UDJ die Interessen von Jazzmusikern und setzt sich für die Jazz-Förderung in Deutschland ein. Vor vier Jahren war allerdings eine Neustrukturierung bitter nötig: „Vor 2012 war der Verband sehr eingeschlafen und nur wenige Aktive hielten ihn am Leben“, erzählt Geschäftsführer Urs Johnen. „Nach einem Jazzmusikeraufruf, der innerhalb von wenigen Wochen mehr als 1.000 Unterstützer fand, haben wir gemerkt, dass die Szene eine stärkere Vertretung auf Bundesebene braucht und will.“

Dank der Neustrukturierung freut sich die UDJ inzwischen „über fast schon explodierende Mitgliederzahlen, zahlreiche Aktive und viel Unterstützung“.

Gemeinsam stark: Die UDJ ist froh über ihre vielen Mitglieder und Unterstützer.

Gemeinsam stark: Die UDJ ist froh über ihre vielen Mitglieder und Unterstützer.

„Sprachrohr deutscher Jazzmusiker“: Das Selbstverständnis der UDJ

Die UDJ hat vielfältige Aufgaben und Ziele. Urs Johnen fasst diese so zusammen: „Die UDJ setzt sich für eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern in Deutschland ein. Dazu gehört zum Beispiel die Verbesserung der Infrastruktur durch öffentliche Förderung. Ebenso versuchen wir, das allgemeine Bewusstsein für die gesellschaftliche Relevanz der Kunstform Jazz und der damit verbundenen Lebensweise zu schärfen.“

Kernziele des Verbands

Als Kernziele der Verbandsarbeit der UDJ nennt Johnen

  • die Entwicklung spezifischer Förderinstrumente für Jazz und improvisierte Musik
  • den Ausbau und die Förderung von Spielstätten für professionelle Musiker/-innen
  • die Erhöhung des allgemeinen Gagenniveaus
  • die Reduzierung prekärer Arbeitsverhältnisse in der Lehre
  • die Stärkung und Förderung professioneller Strukturen in Interessenverbänden und Netzwerken

Förderung von Jazzmusikern und Spielstätten

Gerade mit Blick auf die spezifische Förderung des Jazz bedauert Johnen, dass der Jazz „zu oft in die Förderlücke zwischen Klassik und Pop fällt“, was dieser besonderen Kunstform nicht gerecht werde. Durch die Mitwirkung der UDJ am neuen Bundesfonds für zeitgenössische Musik, verspricht er sich jedoch „demnächst wichtige neue Impulse auf Bundesebene“.

Professionelle Jazzmusiker und die deutsche Jazzszene zu stärken ist Kernaufgabe der UDJ.

Professionelle Jazzmusiker und die deutsche Jazzszene zu stärken ist Kernaufgabe der UDJ.

Die Verbesserung der finanziellen Situation von Jazzmusikern liegt der UDJ ebenfalls am Herzen. Zum einen geht es dem Verband darum, Spielstätten zu fördern, etwa über den Spielstättenprogrammpreis APPLAUS, mit dem Konzertveranstalter und Clubs aus Bundesmitteln gefördert werden. Zum anderen fordert die UDJ die Zahlung angemessener Gagen, gerade bei Veranstaltungen mit wesentlicher öffentlicher Förderung. „Damit langfristig faire Gagen gezahlt werden können, müssen Spielstätten durch Bund, Länder und Kommunen auch langfristig gefördert werden“, erklärt Johnen.

Nicht nur Musiker, auch die Spielstätten, die ihnen eine Bühne bieten, müssen gefördert werden.

Nicht nur Musiker, auch die Spielstätten, die ihnen eine Bühne bieten, müssen gefördert werden.

Organisiert im Verband: Die Vorteile einer Mitgliedschaft

Ein Musikverein oder -verband wie die UDJ bringt seinen Mitgliedern viele Vorteile. Während sie als Einzelkämpfer keine Chance hätten, ist eine Interessensvertretung wie die UDJ gerade auf bundespolitischer Ebene als Sprachrohr und Ansprechpartner wichtig.

Gemeinsames Sprachrohr für Musiker auf Bundesebene

„Auch den oft sehr individualistisch arbeitenden Jazzmusikern wird immer klarer, dass viele Herausforderungen nur mit gebündelten Kräften gemeistert werden können“, berichtet Urs Johnen.

Doch wie sieht die Arbeit der UDJ nun konkret aus?

„Wir bringen unsere Sicht im Bundestag bei entsprechenden Vorhaben ein, initiieren Förderprogramme oder entsenden Jurymitglieder in entsprechenden Gremien, in denen zuvor niemand aus dem Bereich Jazz saß“, erklärt Johnen. „Die Mitgliedschaft in der UDJ bedeutet deshalb in erster Linie die Unterstützung dieser täglichen Arbeit.“

Spezielle Angebote und Vorteile für Mitglieder

Für professionelle Jazzmusiker lohnt sich die Mitgliedschaft in der Union Deutscher Jazzmusiker aber auch wegen spezieller Angebote von Kooperationspartnern: Dazu gehören etwa Versicherungen zu Sonderkonditionen oder Rabatte bei Tonstudios, Fachmessen und mehr.

Reizvoll sind auch der Mangesldorff-Preis, der von der Union Deutscher Jazzmusiker verliehen wird, aber auch das UDJ-Jazzforum oder Workshop-Angebote, die die UDJ für ihre Mitglieder bereithält.

Die UDJ informiert und unterstützt ihre Mitglieder in allen Belangen des Jazz.

Die UDJ informiert und unterstützt ihre Mitglieder in allen Belangen des Jazz.

Immer Up-to-Date: Der Verband informiert über Neuigkeiten

„Die UDJ informiert ihre Mitglieder über wichtige kulturpolitische Entwicklungen auf Bundesebene und Neuigkeiten aus der Jazzszene“, erklärt der Geschäftsführer. Gerade für Fragen zu rechtlichen und institutionellen Themen halte die UDJ für ihre Mitglieder zudem Informationsmaterial bereit und könne auf ein Netzwerk von kompetenten Ansprechpartnern zurückgreifen.

Etwas bewegen: Erfolge der Verbandsarbeit

Urs Johnen ist stolz auf die Erfolge, die sein Verband in den letzten vier Jahre erreicht hat: „Seit dem Neuaufbau der UDJ haben wir eine sehr ausgeglichene Mitgliederstruktur. Alle Altersgruppen, sehr viele junge Aktive, sehr viel mehr Musikerinnen. Das ist schon ein großer Unterschied zu manchen anderen Verbänden. Zudem konnten wir mit dem Spielstättenprogrammpreis APPLAUS oder dem Musikfonds wichtige Projekte mit in Gang bringen, die jetzt erfolgreich laufen.“

Generell hält er Verbandsarbeit für Musiker für unverzichtbar: „Einzelpersonen können nie diese starke Kraft entfalten, die wir als Zusammenschluss haben. Gerade im politischen Berlin muss man sich als Gruppe formieren, um überhaupt gehört zu werden. Nur so lassen sich große Projekte umsetzen und alte Förderstrukturen aufbrechen und für Jazz öffnen.“

Wir danken Urs Johnen herzlich für das interessante Interview!

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Bildnachweis:
Titelcollage: Logo der UDJ: © UDJ; Trompete: © iStock/Furtseff; Bild 1: © iStock/AmmentorpDK; Bild 2: © iStock Furtseff; Bild 3: © iStock/EunikaSopotnicka; Bild 4: © iStock/elnavegante

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